Thema: Die Schlange

Montag, 10.1.2005. Die Heraldik meines Familiensiegels nach Genesis 3 impliziert auch die Schlange von Eden, deshalb ist die, von mir reformierte, überlieferte Siegeldevise der Hybris theologisch besonders naiv. Der inspirierte wahrheitsförmige Mythos besagt ja auch, daß es über die erbsündhafte endogene Frevelbereitschaft des tiefenpsychologischen Schattens hinaus eine exogene Macht des Bösen gibt, die als äußere metaphysische Realität im Weltgetriebe eine tragende Rolle spielt. Die mythische christliche Protologie von vor aller Zeit versteht sie als den ge- fallenen ersterschaffenen herrlichsten aller Engel, den Widersacher Gottes, der nicht auftragsgemäß dem Wohl der künftigen Menschen dienen wollte, weil sie inferiore Geschöpfe seien. Mir machen die Exorzismen der Unheilsgeschichte des Christentums wenig Mut, mich dieser Realität zu stellen. Aber sie steht im katholischen Weltkatechismus und ist frossardbeglaubigt, darum ernstzunehmen. - Auch ist ja spätestens der Abgrund Auschwitz ohne Teufels Beitrag zum Werk Gottes nicht mehr erklärbar. Wohl hat Jesu Christi Auferstehung die Macht des Bösen gebrochen und vor allem ihre eschatologischen Konsequenzen relativiert, aber hienieden feiert diese nach wie vor Triumphe. "Daß Gott das Tun des Teufels zuläßt, ist ein großes Geheimnis", heißt es ratlos im Katechismus. Ich für mein Teil habe nur gelernt, daß der Teufel im Detail steckt und daß bei jedem Zeigefinger, der auf ihn weist, drei Finger auf einen selbst zurückdeuten. Seine erste biblische Einkleidung als Schlange von Eden, das klügste aller Tiere, findet sich wieder in der Apokalypse des Johannes, wo mein Namenspatron, der Engelsfürst "wer ist wie Gott?" die "alte Schlange" aus dem Himmel des Glaubens stürzt. Die Urlüge "ihr werdet sein wie Gott" bekommt dadurch zu ihrer protologischen eine eschatologische Dimension. Und ich bin mit meinem Taufnamen als Erbe des Edensiegels gleich zweimal in der Pflicht, mir den Kopf zu zerbrechen. Natürlich habe ich mir dabei des öfteren das Hirn verbrannt. - Der vormalige polnische Marxist Leszek Kolakowski hat die Frage aufgeworfen, ob der Teufel erlöst, werden könne. Ich glaube, daß der als apersonales Subjekt des Zerstörungshungers im Universum sich nur selbst erlösen kann wie eine heruntergebrannte Kerzenflamme, wenn er einst durch Unterbindung der Nahrungszufuhr unausweichlicher Selbstzerstörung überlassen bleibt. Das bis zum Big Crunch des Kosmos wirksame Entropiegesetz wird dafür sorgen. Unter Immanenzbedingungen ist er jedenfalls nicht zu schlagen, vor allem nicht durch Exorzismen, da helfen Neuroleptika besser. Die mutmaßliche Herkunftsstadt meiner Vorväter oben auf der Landkarte führt im Wappen auch eine Teufelskralle. So bin ich meinem heutigen Thema heraldisch sogar doppelt verbunden. - Es ist unter säkularen Gesichtspunkten ein anstößiges Thema, aber Leszek Kolakowski hat mit "Satans Pressekonferenz in Warschau" klargestellt, daß kognitiv zurückgeblieben ist, wer die Existenz der äußeren metaphysischen Realität der exogenen Macht des Bösen leugnet. Papst Paul Vl. hat sogar ex cathedra eingeräumt, daß sie auch wie Rauch durch die Ritzen des Kirchengebäudes eingedrungen ist. Allerdings gefällt nach kirchlicher Aussage dem Satan zweierlei: wenn wir ihn überbewerten oder wenn wir seine Existenz in Abrede stellen. Genesis 3 ist nicht historisch, sondern mythisch, aber wahrheitsförmig und vor allem inspiriert. Deshalb ist die Schlange von Eden ein gültiges Bild des Vaters der Lüge, der als intelligente Bestie die menschliche Gottgleichheit propagiert. - Darum dürfte Hybriserweckung sein Hauptbetätigungsfeld sein, während Natur- katastrophen wohl nicht auf sein Konto gehen, sondern dem blinden Willen der evolutionären Zukunftsdynamik geschuldet sind, den Schopenhauer für die ontologische Quintessenz der Welt hielt. Ich Ei als Katholik des zweiten Bildungsweges will nicht klüger sein als die Henne, das Lehramt der Una Sancta, deshalb verzichte ich auf die Frage, weshalb die Allmacht der milden Güte Gottes Teufels Beitrag zu seinem Werk unter Immanenzbedingungen zuläßt. Es ist ein großes Geheimnis, basta. Mehr kann ich auch nicht wissen. Mir genügt, daß mein Erlöser lebt. Die zweite Person der Trinität hat im Erdenkleid vorgemacht, wie wir dem Versucher gegenübertreten sollen, nämlich mit ruhiger Festigkeit und auf gleicher Augenhöhe, weil er nicht mehr ist als auch eine Kreatur, die uns nicht von der Liebe Gottes scheiden kann.