Thema : Vernunft und Freiheit

Montag, 30.3.2009. Karl Popper, der größte Philosoph des zwanzigsten Jahrhunderts, unterscheidet drei Welten: Welt eins, die objektive Welt des Physischen, Welt zwei, die subjektive Welt der Psyche und Welt drei, die objektive Welt der Artefakte, der Hervorbringungen des menschlichen Geistes, egal ob wahr oder falsch. Ich füge noch Welt psi hinzu, die Welt des Unerklärbaren im Guten und im Bösen. Welt eins zeigt, daß die Immanenz kontingent ist und von einem Absolutum, Gott, im Sein gehalten werden muß.  Liab und Liab san zworerloa. Und echte Liab is schlecht fürs G’schäft. Das ist der Unterschied zwischen Amor und Caritas. Der Buddhismus, welcher reformierter Hinduismus ist, lehrt, daß die Immanenz absolut ist und daß es wegen des Karmagesetzes von Ursache und Wirkung nur einen Ausweg aus dem Leid gibt: Das Nirwana. Buddha, der Siegreich Vollendete, konnte fünfhundert Jahre vor der Zeitwende noch nichts von der Gnadengerechtigkeit Gottes wissen. Hätte er recht, würde sich daraus zwingend Schopenhauers “Welt als Wille und Vorstellung” ergeben. Die Astrophysik zeigt aber die Kontingenz des Immanenten auf, mit den zwei Toren der Zeit, dem Big Bang und dem Big Crunch. Der immens große, aber abzählbar endliche Kosmos war nötig, um die Voraussetzungen von Leben zu schaffen. Deshalb ist die Erde der Mittelpunkt des Universums. Christus, dessen ewige Geburt nicht mit seiner zeitlichen Geburt gleichgesetzt werden darf, ist darum der Welt Heiland und keine Provinzgröße angesichts noch weiterer bewohnter Planeten. Man darf Gottes Zeit nicht in Weltzeit umrechnen. Gottes biblisches Bilderverbot soll nur besagen, daß Christi zeitliche Geburt sein nicht anthromorphes Ebenbild der Menschlichkeit des Schöpfers Himmels und der Erde bedeutet. Die menschliche Neigung zum auch Bösen erklärt sich aus der Herkunft von den Tierahnen und wird von der katholischen Kirche Erbsünde genannt. Ich habe seit der Reformation evangelische Vorfahren und bin erst seit achtzehn Jahren katholisch. Und meine Frau kommt aus einer konfessionellen Mischehe. Nur das ökumenische Sakrament der Taufe im Namen der Trinität bildet unser Gemeinsames, weil sie bei meiner Konversion aus der katholischen Kirche ausgetreten ist. Meine Aufgabe ist es, unser beider Herkunftsfamilien und die eigene geistig auf einen Nenner zu bringen. Das kann nach Lage der Dinge nur nichtklerikale Katholizität sein. Das personifizierte Böse aus Welt psi steht in der Quaternio, dem altsteinzeitlichen Symbol psychischer Ganzheit, der Trinität gegenüber. Des Agnostikers Popper einziges Credo lautet “die Wahrheit ist objektiv und absolut und die Zukunft ist offen.” Mehr lässt sich mit rationalen Mitteln nicht sagen, aber auch nicht weniger. Der Rest ist Glaube in Hoffnungsgewißheit. Ohne Gott gäbe es weder Freiheit, noch Vernunft. Denn der Mensch, der von der Liebe herkommt, kehrt zur Liebe zurück kraft des Glaubens und der Hoffnung durch das Leid und den Tod. Und nichts kann ihn (letztlich) daran hindern. Die katholische Kirche ist seligmachend. Aber nicht allein. Dieser Anspruch ist Hybris. Und Hybris ist das Ganze der Sünde. Also muß auch sie durchs Fegefeuer. Das ist die Pointe der zweiten Enzyklika von Papst Benedikt dem Sechzehnten. Nur den ewigen Tod, die unendliche Gottferne, hat Christus durch seine Auferstehung besiegt, das auch posthume Leid kann wegen des individuellen Gerichts der Gnadengerechtigkeit Gottes, auf problemangemessene Dauer befristet, noch ausstehen. Nur darf man Gottes Zeit nicht in Weltzeit umrechnen. Er ist ein eifersüchtiger Gott, er straft die Sünden der Väter bis in die dritte und vierte Generation sagt das erste Gebot im fünften Buch Mose. Auf die unheilsgeschichtliche Singularität des Holocausts bezogen bin ich die 2. Generation, unsere Kinder die 3. und die Enkel die 4. Mag sein, dass sie in eine bessere schon irdische Zukunft hineinwachsen, dass Gnade werde.