Thema: Verdammnis light

Freitag, 4.1.2002. Wenn man den Teufel adäquat in Rechnung stellt, kann man seinen eigenen Schatten besser integrieren und es passieren einem weniger zwischenmenschliche Fehlleistungen. Ich glaube nicht an den Teufel, sondern an Gott, aber ich halte seine Existenz für gegeben. Und zwar nicht als personale Entität, sondern als intelligente Struktur, die in jedem Detail steckt, vor allem in den evolutionären Details. In der subhumanen Natur ist ihre Ruchlosigkeit unschuldig, weshalb Konrad Lorenz vom “sogenannten Bösen” sprechen konnte, aber im Menschen wirkt sie sich aus als partielle strukturelle Inferiorität, von C.G.Jung benannt als Archetyp des Schattens. Bei psychisch Kranken sitzt der Schatten nur lockerer in den Kavernen des Unbewußten als bei Unbetroffenen. Dadurch sind sie in puncto Selbsteinschätzung heuristisch im Vorteil gegenüber beispielsweise einem pumperlgesunden Exorzisten, der wohlmeinend fundamental irrt, wenn er ihnen weiterhelfen will. Gerade, wenn man alles im Griff zu haben glaubt, holt einen nämlich der Teufel. Auch eschatologisch stelle ich die Strukturen des Bösen in Rechnung, halte aber ihre Transzendenzfähigkeit im Lichte des paulinischen Pan-en-theismus in letzter Linie für endlich, so daß sie nur für mehr oder weniger lange purgatorische Umwege zum letzten Ziel der Vorsehung sorgen können, nicht aber die endgültige Verdammnis bewirken. So weit hat auch schon Leszek Kolakowski gedacht und die Frage gestellt, ob der Teufel erlöst werden könne, da ja sonst der Himmel des Glaubens heilige Materie mit ständiger Blinddarmentzündung wäre. Da ich den Teufel als apersonales Subjekt des Zerstörungshungers betrachte, muß ich diese Frage verneinen. Die von Paul Tillich in Spiel gebrachte universale Essentifikation der abgeschiedenen Einzelseelen würde es ermöglichen, die ruchlosen intelligenten Strukturen zu isolieren und damit unausweichlicher Selbstzerstörung zu überlassen, so wie sich eine Flamme selbst erlöst, wenn die Kerze heruntergebrannt ist. Von Gerhirn-Geist-Monisten abgesehen, die sich letztlich als Dünger der Evolution begreifen, wird man diese Überlegungen nicht als irrelevant ansehen können, da sie der biblisch und dogmatisch fundierten Höllenangst einen Riegel vorschieben und die dämonische Spaltung im Gottesbild aller drei Monotheismen vermeiden. Die Bibel ist nur goldhaltiges Gestein, nicht dogmatisches Barrengold. Wäre es anders, bräuchte es kein Theologiestudium, sondern es würde die Kenntnis des ABC genügen. Das Kreuz von Golgatha hat die ewige Hölle endlich gemacht und statt der Karmagesetzlichkeit die Liebesgerechtigkeit gebracht, also in die Transzendenz den Faktor Gnade eingeführt. Wo sonst könnte man das Hakenkreuz endlagern, wenn nicht am Fuß des Kreuzesstamm von Golgatha.