Thema: Der Pferdefuß

Sonntag, 30.12.2001. Über den Teufel weiß ich nicht mehr, als daß: ihm Personstatus zuzubilligen in den Wald hineinführt. Ich betrachte ihn daher als Struktur, nicht als Person, als Grenzbegriff, als apersonales Subjekt des Zerstörungshungers im Universum, als eine freiheitsbedingte Betriebsgröße im Gesamtapparat der Immanenz. Ich glaube, daß die Transzendenz- fähigkeit der Strukturen des Bösen durch die Auferstehung Jesu Christi gebrochen ist und daß die Karsamstagstheologie Hans Urs von Balt- hasars vom Ausleeren der Hölle durch den hingegebenen Gottessohn durch die metaphysischen Tatsachen gedeckt ist. Sogar der amtierende Papst hat in seinem Interview-Buch eine entsprechende Konzession bezüglich des mittelalterlichen Dogmas von der Ewigkeit der Höllenstrafen angedeutet. Deshalb sehe ich den Teufel nur als Teil der Gesetzmäßigkeit von Zufall und Notwendigkeit und nicht als ernsthafte Bedrohung meines Seelenheils, wenn ich auch nicht so naiv bin, ihn ganz in Abrede zu stellen. Mein Gottvertrauen beschränkt sich darauf, daß ich das letzte Ziel der Vorsehung nicht verfehlen werde, erstreckt sich aber nicht auf die Moda- litäten des Weges da hin, weil aus systemischen Gründen eine göttliche Feinsteuerung des Weltgetriebes ausgeschlossen ist. Vom Zorn Gottes zu sprechen, verrät daher erkenntnistheoretische Naivität, währen die Trauer Gottes bei Jesaja durchaus Offenbarungscharakter haben könnte. Zur theologischen Befreiungstat der Kosmologie und des Neodarwinismus kann man der Wissenschaft nur gratulieren. D a steckt der Teufel, und zwar im Detail, nicht auf dem Blocksberg. Offentsichtlich ist er eine intelligente Struktur, die auch bei der Entstehung des kentaurischen Unterbaus des mit der Einzigartigkeit des Selbst begabten Menschen Pate gestanden hat. Der katholische Weltkatechismus bezeichnet es als ein großes Geheimnis, daß Gott das Tun des Teufels zuläßt. Das Geheimnis ist nicht größer als das der lapsarischen conditio humana zufolge Genesis 3, welches die Universalität des Mysteriums Christi begründet. Der Mahnung C.G. Jungs eingedenk, daß das Böse mitleben will, bemühe ich mich um Wollensminimierung, um mit den legitimen Impulsen auch das Teuflische in mir kurzzuhalten, denn die Natur ist Gottes Werk und Teufels Beitrag.