Thema: Die Einmannsekte

Montag, 11.12.2007. Es ist Abend geworden. Ich höre Radiomusik nach den vorgezogenen Wochenerledigungen und der Vatersohnschaftsroutine mit Restaurantbesuch. Ich befinde mich vergleichsweise wohl. Das ist das Gotteswunder der regionalen Normalität nach Römer 8,28, inmitten der Hölle, die im Prinzip das Leben ist. Diese ist der transmetaphysischen Welteigengesetzlichkeit aus Nihil, Zufall und Notwendigkeit geschuldet, der Quelle der erbsündhaften conditio humana aus Tod, Blut, Schweiß und Tränen, einer sytemisch notwendigen Ausgeburt des Nichts wie die urknallanfängliche Immanenz im ganzen, vor Inkrafttreten der Naturgesetze aus metaphysischer Genese in den ersten dreieinhalb Minuten. Die weltimmanente Allwirksamkeit Gottes in der Transzendenz kann nicht Alleinwirksamkeit sein, weil die kontingente Welt ein eigenes Sein mit eigener Gesetzlichkeit hat. Sie muß sich also unter Immanenzbedingungen mit dieser den Wirkungskreis teilen. Daher die Hiobsfrage “wie kann Gott das zulassen?” und der Theodizeeatheismus. Gott aber steuert nicht, aus systemischen Gründen, sondern prüft nur für Ewigkeitszwecke, was geschieht aus naturbelassener Schicksalsdynamik, und wirbt auf der Basis absoluter Freiwilligkeit, sei es durch sein welterhaltendes Schaffen im regionalen Wunder der Normalität, oder sei es durch sein stummes Werben für sein unerfülltes Ziel nach 1.Korinther 15,28b in den hörenden Herzen der Vielen. Dieses kann zu einer gewaltigen Machtballung führen, wie die Niederringung des Hakenkreuzes und die letztliche Befreiung von Auschwitz gezeigt haben. Das Leben ist im Prinzip die Hölle, in alle räumlichen und zeitlichen Richtungen, aber der Tod ist nur ein Übergang. Er ist janusköpfig. Seine Diesseite ist Wissenssache, seine Jenseite ist Glaubenssache. Da scheiden sich deshalb die Geister. Auf der Basis des frossardschen Gottesbeweises, des archimedischen Punktes in meinem Denken, optiere ich für letztendliche Fülle des Seins in bleibender Gemeinschaft mit Gott unter Transzendenzbedingungen. Für die Modalitäten des posthumen Weges dahin werden wir im Hier und Jetzt von Gott bei allem, was uns widerfährt und wie unsere endliche Willensfreiheit darauf reagiert, unverwandten Blicks geprüft. Was uns widerfährt, ist, außer der Gnade der Normalität, Sache der Welteigengesetzlichkeit. Würde Gott selbst steuern, könnte er nicht unvoreingenommen prüfen, dann wären seine Prüfungsergebnisse tautologisch wie im Fall des Calvinismus, der Römer 8,28 überinterpretiert hat. Da muß der, bei dem es läuft wie geschmiert, annehmen, er sei erwählt auch fürs Danach. Weit gefehlt! Nach 1.Petrus 4,13 verschafft eher das Kreuztragenhelfen des Simon von Kyrene einen Heilsbonus im Buch des Lebens. Ein Glückspilz möchte ich gar nicht sein. Das wäre nur der Welteigengesetzlichkeit geschuldet und hätte mit Gottes Willen nichts zu tun. Es würde mich bloß in eine heikle Prüfungssituation bringen, denn Adel verpflichtet. So aber habe ich klein-klein mein Haus bestellt und könnte jederzeit abtreten. Was noch kommen kann, wären Überstunden. Ich kann mir jetzt schopenhauersches Subjektsein ohne Ziel und Absicht leisten. Die einzige Absicht, die ich noch verfolge, ist der Dienst am Andersdenkenden. Es gilt, den guten Kampf zu kämpfen, den Lauf zu vollbringen und den Glauben zu bewahren. Der das geschrieben hat, war der einzige Theologe des Neuen Testaments, der Gründervater des Vielvölkerchristentums und der Apostel der Andersdenkenden, mein biblischer Lieblingsautor Paulus, der wie ich auch zuvor andersdenkend war, von Frossard ganz zu schweigen. Mit so einem Erbe ist man notwendig unter den Einverstandenen eine Einmannsekte. Paulus nannte sich sogar die Mißgeburt des Apostelkonzils. Auch eine Saulus-Paulus-Natur war Wehner, im Bann von dessen C in der Arbeiterbewegung ich die besten Jahre meines Lebens Herzblut vergossen habe. Er war ein Versehrter und ein Ergriffener. Ich bereue nicht, ihm angehangen zu haben. Außer einer gesellschaftlich blutigen Nase hat es zwar nichts gebracht, aber das Leben ist ja schließlich im Prinzip die Hölle, da darf man sich bei antizyklischem Verhalten über garnichts wundern. Die diesbezügliche offene Rechnung habe ich dem Inkasso-Büro des biologischen Exitus vermacht. Der Schuldner ist zwölf Jahre älter als ich und ich bin auch nicht mehr der Jüngste. Ich habe die Zusammenhänge in Internettext 128 angedeutet, gegen den hinhaltenden Widerstand des federführenden Sohnes, weil er fürchtete, ich könnte mich und ihn dadurch kompromittieren. Der Text ist auf den ersten Blick tatsächlich ein statistischer Ausreißer, weil es nicht um Theologie der Grenze zu gehen scheint. In Wahrheit zeigt er aber das Ergriffensein von dem was mich unbedingt angeht, in der Bewährungsprobe gegen einen Mächtigen, der es mit Füßen getreten hat. So wurde ich vor gut zwei Jahrzehnten eine Einmannsekte und bin es bis heute geblieben.