Thema: Mißverständnis

Samstag, 8.12.2007. Heute ist das Hochfest Mariä Empfängnis nach dem frossardbeglaubigten Lourdes-Dogma von 1854, betreffend die Erbsündlosigkeit Mariens. Es besagt als einzige Ausnahme, daß die Erbsünde nicht seinsnotwendig, also nicht gottgewollt, sondern transmetaphysisch  aus evolutionärer Genese systemischer Schicksalsunterworfenheit selbst des Schöpfers ist. Das ist die katholische Antwort auf die zweite der vier edlen Wahrheiten Buddhas vom Ursprung des Leidens. Die Welteigengesetzlichkeit aus Nihil, Zufall und Notwendigkeit schränkt die weltimmanente Allwirksamkeit in der Transzendenz Gottes in diesem Punkt ein, weil die kontingente Welt neben dem Absoluten ein eigenständiges Sein hat. Die conditio humana von Tod, Blut, Schweiß und Tränen fällt als aus systemischen Gründen auch nicht Gott zur Last, nachdem sich im Licht des Neodarwinismus schon ihre menschliche Genese nach Genesis 3 als Mythos erwiesen hat. Für das auf Genesis 3 fußende Mysterium Christi bedeutet das die Notwendigkeit einer Umwertung dahingehend, daß Golgatha nicht mehr als Loskaufopfer für einen Juristengott gesehen werden darf, sondern als Heldentod Christi an vorderster Front im siegreichen Kampf gegen die eschatologischen Konsequenzen der conditio humana betrachtet werden muß. Nämlich gegen den Zwang, unter Transzendenzbedingungen das Karmagesetz anwenden zu müssen. Golgatha hat in die göttliche Jurisdiktion den eschatologischen Faktor Gnade eingebracht. Von “neuem Adam” kann nicht die Rede sein. Gott ist Schöpfer, nicht Jurist. Die Marienerscheinung in Lourdes, auf die das heute begangene Dogma zurückgeht, ereignete sich etwa zeitgleich mit dem Erscheinen von Darwins Grundwerk der Selektionstheorie "vom Ursprung der Arten", als wollte die Gottesmutter dem Schöpfungsglauben von Genesis 3 sagen “der Kern der Sache bleibt auch nach Revision des eisenzeitlichen Kenntnisstandes unberührt”. Der Friedenschluß der katholischen Kirche mit der Urknall- und Evolutionstheorie bahnt den Weg für diese drastische Bibelrelativierung auf den Schultern Frossards, die an der Quintessenz der Bibel, Jesu Lebens- und Sterbensbürgschaft für einen allmächtigen, liebenden Vatergott, kein Jota ändert, ganz im Gegenteil. Der Buddhismus hatte deshalb bisher Platzvorteile, weil er die Frage nach dem Ursprung des Leidens widerspruchsfreier beantworten konnte als das Christentum. Wenn sich die obige Deutung des Lourdes-Dogmas herumspricht, ist damit Schluß. Wenn “der Fels des Atheismus” unter den Witterungseinflüssen des geistigen Klimas zu Brocken zerfällt, ist dem letzten Ernst in der Sache Jesu, die durch zwei Jahrtausende Tod, Blut, Schweiß und Tränen bis in unsere aufgeklärten Tage tradiert wurde, ein entscheidender Dienst erwiesen. Es gilt, das Feuer der Tradition weiterzutragen, nicht ihre Asche anzubeten. A propos Feuer: bis vor nicht langer Zeit hätte ich für das Obige auf dem Scheiterhaufen gebrannt. Aber heute ficht die Kirche nolens volens nur noch mit geistigen Waffen. Außer Relevantes totzuschweigen und durch Nichtbefassung zu ahnden, hat sie keine Sanktionsmittel mehr in der Hand. Das Totschweigen Frossards ist dafür ein Beispiel. Atheismus ist nicht zuletzt eine Funktion der Herzensträgheit und Denkfaulheit der Einverstandenen. Sie betrachten das Glaubenslicht als Holschuld zu ihren Bedingungen. Es ist aber eine Bringschuld zu den Bedingungen der Andersdenkenden. Der untätige Verwalter des anvertrauten Pfundes hat höheren Orts schlechtere Karten als er meint. Ihm könnte auch noch das genommen werden, was er von sich aus hat. Mich ermutigt, so frisch von der Leber weg zu sprechen, die neue Enzyklika des Papstes. Sie ist eine metaphysische Revolte gegen den Zeitgeist und eine großer Schritt in die von mir als richtig angesehene Richtung. Die im Abendland endemische Wahrheitsfrage wird darin zufriedenstellend beantwortet. Diese ist das einzige Argument gegen die atheismusträchtige Unheilsgeschichte des Christentums, wie ich im gestrigen Text, den der Sohn gleichfalls ins Internet gestellt hat, anzudeuten versuchte. Dafür habe ich jetzt auch noch das gesamte handschriftliche Material des laufenden Jahres weggeworfen. Als dessen Ertrag bleiben nur die bisher sechzehn Rosinen im Internet, was eine sehr unökonomische Produktionsweise ist. Aber es brauchte ja ein Universum von zehn hoch zweiundzwanzig Sonnen, um durch das Backen der schweren Elemente in Supernovae die Voraussetzung für die Entstehung von Leben auf einem Staubkorm im All zu schaffen. “Vor ungefähr fünf Milliarden Jahren verdichtete sich eine ungeheure, aus Supernova-Explosionen stammende Gas- und Staubmasse unter dem Einfluß der Schwerkraft zu einem großen zentralen Kern und einer diesen umgebenden rotierenden Scheibe, deren Masse weniger als ein Prozent des Kerns betrug. Die durch die Schwereanziehung hervorgerufene Kontraktion des Kerns ließ die Temperatur auf mindestens 10 Millionen Grad ansteigen und löste damit die Kernreaktion aus, bei der unter Ausstrahlung ungeheurer Energien Wasserstoffkerne zu Heliumkernen  verschmelzen. Vor etwa vierkommasechs Milliarden Jahren begann damit die Sonne zu scheinen, genauso, wie sie es immer noch tut und wie sie es noch mindestens einskommafünf Milliarden Jahre in der Zukunft tun wird, bis die Degeneration einsetzt. Inzwischen zerbrach die rotierende Scheibe in einzelne Brocken, die sich jeder zu einem Kern zusammenballten, der Gas, Staub und Materiepartikel anzog, und die so die Planeten bildeten. Ebenfalls vor vierkommasechs Milliarden Jahren. Einer davon war die Erde. Seine Größe und seine Lage im Planetensystem ist gut gewählt. Die Temperatur ist gerade richtig für die Makromoleküle, welche die wichtigste Grundlage des Lebens bilden. Und die Größe war gerade richtig, um solch wesentliche Gase wie H2O, O2, N2 und CO2 im Schwerkraftfeld der Erde zurückzuhalten und dennoch zu erlauben, daß sich die gewaltige Bürde an Wasserstoff und Helium, die ursprünglich hatte akzeptiert werden müssen, um einen angemessen felsigen Kern sicherzustellen, in den Raum verflüchtigte. Die jupiterähnlichen Planeten veranschaulichen die katastrophalen Konsequenzen einer übermäßigen Größe, während Mars und Merkur Zeugnis davon ablegen, welch extrem dünne Atmosphäre übrigbleibt, wenn ein Planet zu klein ist. Daher kann die Atmosphäre des Planeten Erde aufgebaut werden, bis sie einen Zustand erreicht, der für das Leben ideal ist, obwohl zu diesem Zweck der von den Urorganismen noch zu erzeugende Sauerstoff grundlegend wichtig ist. Der wunderbarste Besitz der Erde aber ist der gewaltige Reichtum an Wasser, mit dem unser Planet- ganz im Gegensatz zu den anderen Planeten- ausgezeichnet ist. Vom Standpunkt der Eignung der Umwelt für das Leben könnte man behaupten, die so entstandene Erde sei, im Sinne von Voltaires “Candide” ´die beste aller möglichen Welten`  (John C. Eccles “das Rätsel Mensch”) Diese Darstellung des Hirnforschers und Nobelpreisträgers zeigt, daß Gott tatsächlich Schöpfer ist und unmöglich Jurist sein kann. Das “Agnus-Dei”- Mißverständnis muß also vom Tisch und der “dies-irae”-Schrecken gleich mit. Wir würden uns leichter tun, Gott zu lieben, wenn wir ihn nicht gleichzeitig fürchten müßten.