Thema: Ballast

Montag,  26.11.2007. Ich sammle Gedanken, schreibe sie auf und werfe sie später weg, wenn sie nicht weiterführend gewesen sind. Mein Subjektsein ohne Ziel und Absicht hat sich auf diese Weise, mit dem verbleibenden Rest weitermachend binnen achtzehn Jahren ein Gottvertrauen durch Dick und Dünn zusammenbuchstabiert und festgestellt, daß Atheismus nur Denkfaulheit ist. Dabei habe ich Schopenhauer und Camus werkimmanent widerlegen und gewissermaßen taufen können und mir das, was von ihnen dabei gültig geblieben ist, zu eigen gemacht. Nietzsche und Marx waren mit ihrem kosmologischen Monismus leichtere Fälle und konnten mit dem Kontingenzbeweis zum Schweigen gebracht werden, der im katholischen Religionslehrbuch für die gymnasiale Oberstufe nachzulesen ist. Der Nobelpreisatheismus von Jacques Monod war durch den Friedensschluß der katholischen Amtskirche mit der Urknall- und Evolutionstheorie mit einer neognostischen Relativierung der natürlichen Gottesoffenbarung des Alten Testaments, den eisenzeitlichen Schöpfungsbericht enthaltend, in den Griff zu kriegen und wirkte dann heilsam gegen den Theodizee-Atheismus und die Hiobsfrage “wie kann Gott das zulassen?”. Das i-Düpferl aber ist der frossardsche Gottesbeweis auf der Basis empirischer Metaphysik, nachzulesen in dem Frossard-Buch “Gott existiert, ich bin ihm begegnet”. Am Rande bemerkt sei, daß sich der katholische anthropologische Dualismus mit dem besonderen Totengericht nach Hebräer 9,7 besser mit der Antwort auf die Hiobsfrage, nämlich der gediegenen Zukunft über den Tod hinaus, reimt, als der protestantische Monismus mit universeller Auferstehung erst zum Weltgericht. Bei den Katholiken kommt das Danach sofort mit dem letzten Atemzug, bei den Protestanten erst nach einer subjektiv “kleinen Zeit” (Kierkegaard). In beiden Fällen ist aber die Pointe des Seins das Danach. Deshalb kann ich mir aus Wahlverwandtschaft die existentialistische Diesseitsspekulation á la Baisse zu eigen machen, weil eine beschämende Vergangenheit des Absurden durch die gediegene Zukunft über den Tod hinaus aufgewogen wird, die das schicksallose Wesen bringt. Der protestantische Publizist Heinz Zahrnt irrt, wenn er auf die Hiobsfrage antwortet, daß Gottes unerforschlicher Ratschluß eben auch das Leid verhängt. Das Leid ist eine Folge der erbsündhaften conditio humana von Tod, Blut, Schweiß und Tränen aus evolutionärer Genese, Mitgift von den Tierahnen, einer transmetaphysisch-systemischen Ausgeburt des Nichts, weder gottgewollt, noch menschlich vollkommen freien Willens selbstverschuldet. Gott ist in erste Linie weltranszendent, aber auch weltimmanent durch seine Allwirksamkeit, die keine Alleinwirksamkeit sein kann, da die Welt ein eigenes Sein mit eigener Gesetzlichkeit hat. Die Vorsehung nach Römer 8,28 kann deshalb bei naturbelassener Schicksalsungunst aus Zufall, Notwendigkeit und Menschenwitz nur schadenbegrenzend wirken. Schicksallosigkeit gibt es erst nach dem Tod, wenn der Zufall wegfällt und das Wesen besteht. Nietzsche nennt in seinem Zarathustra meinesgleichen einen “Hinterweltler”. Ich stehe dazu und fälle keine ästhetischen Urteile wie er, denn erst in der Hinterwelt nach Lukas 23,43 und 2. Korinther 12,2-7 zeigt sich die wahre Gestalt. Hienieden darf man seinen Augen nicht trauen, wie Nietzsches Beispiel zeigt. Die Evolution hat uns zum Überleben, nicht zum Erkennen ausgerüstet. Übrigens hat Frossard bei aller sonstigen Katholizität seines Gottesbeweises die Höllenewigkeit gegen die Amtskirche in Abrede gestellt, so daß die Hinterwelt nur aus Paradies und Fegefeuer bestehen dürfte. Das macht das Danach letztlich für alle und jeden koscher, wenn auch nicht für jeden sofort. Erst in der Hinterwelt zeigt sich die wahre Gestalt wohlgemerkt, darum lautet ein Herrenwort “richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet”, Kein Mensch kennt den anderen. Jeder ist allein. Nur Gott kennt uns alle, Kontingenz kann Kontingenz nicht erkennen, bloß das Absolute kann es. Ich vertraue auf ein Totengericht nach Hebräer 9,7 in Liebesgerechtigkeit, die Golgatha in die Eschatologie eingebracht hat. Für beide Konfessionen gälte es, den Ballast der Höllenewigkeit nach Matthäus 25 abzuwerfen, dann wäre Christsein auch für die Atheisten akzeptabel, während man sich sonst ihnen gegenüber erst seitenlang für biblische Ungereimtheiten rechtfertigen muß. Das Wort Gottes wurde Fleisch, nicht Buch. Darum kann man am Buchstaben ohne Substanzverlust nach neuzeitlichem Kenntnisstand noch drehen. Ich aber will nicht lehren, sondern lernen. Allenfalls kann ich als Mitschüler die eine oder andere Wissenslücke schließen. Meine Beiträge sind nichts als Wissenslückenbüßer. Vielleicht bin ich ja der Klassenstreber. Dann darf man bei mir abschreiben.