Thema: Klarstellung

Mittwoch, 31.10.2007. Vor einer atheismusträchtigen bitesta- mentarischen Joker- Theologie warnt übrigens schon Jesus, wenn er bei Markus sagt, man fülle nicht neuen Wein in alte Schläuche, weil diese den Sauser nicht aushalten und zerplatzen würden. Genau das ist aber geschehen, wogegen sich die Gnosis mit ihrem testamentarischen Dualismus vergeblich aufgebäumt hat. Erst heute zeigt der denknotwendige antikreationistische Schöpfungsglaube nach Monod, wie recht sie mit ihrer Demiurgisierung des Diesseits und der daraus folgenden Zurückstufung des gesamten Alten Testaments hatte. Daß die Nazis aus arischen Gründen das Gleiche getan haben, steht auf einem anderen Blatt. Quod licet Jovi non licet bovi. Der alte Wein war bestimmt für das Volk der Nachkommen Abrahams, der neue Wein ist bestimmt für alle Völker. Der gleichfalls abrahamitische Koran stellt übrigens die Rechtgläubigkeit der leiblichen Nachkommenschaft des Glaubensvaters in Abrede, nach dem Motto “das Bessere ist der Feind des Guten”. Und damit war natürlich der Vielvölkermonotheismus Mohammeds gemeint. Nachdem das verbalinspiriert ist, wird´s schon stimmen. Richtig ist jedenfalls die auch islamische Zurückstufung des Pentateuch, der Bücher der Geschichte, der Bücher der Kündung und der Schriftwerke im Interesse eines Monotheismus für alle Völker. Darum heißt Gott bei den Moslems auch der Allerbarmer, der Barmherzige, und darum kennt der Koran keine Höllenewigkeit, wenn auch den anthropologischen Dualismus. Ein Drittel der Menschheit hangt dem Vielvölkermonotheismus an, sei er trinitarisch oder singulär-monotheistisch. Das zeigt den Riesenbaum aus dem Senfkorn, das Gott ins Herz Abrahams gesenkt hat. Da der Koran Alkoholgenuß verbietet, halte ich mich lieber an den neuen Wein Jesu. Wenn man sich den alttestamentarischen Zorngottreflex Höllenewigkeit auf Frossards Schultern wegdenkt, ist er in puncto Seligkeit die in leiblichen paradiesischen Genüssen ohne Ende oder im Baden im Fludium totaler unendlicher Liebe besteht, die sich aus dem unversieglichen Quell trinitarischer Binnenliebe von Ewigkeit zu Ewigkeit speist, Ansichtsache. Ich habe jedenfalls Nietzsches abgründigsten Gedanken von der ewigen Wiederkehr des Gleichen im Sinn und sehe die Gefahr des taedium vitae aeternae ohne Animateur. Darum möchte ich auf den trinitarischen Charakter des Monotheismus nicht verzichten. So ganz genau wird das Diktat des Erzengels Gabriel für Mohammeds Niederschrift des Korans vielleicht doch nicht gewesen sein. Man wird doch noch mit dem eigenen Kopf nachdenken dürfen. Bei Römer 8.38-39 stehen die Menschen jedenfalls über den Engeln. Jesus sei nach Mohammed der größte Prophet gewesen, räumen die Moslems gönnerhaft ein. Wenn man aber den trinitarischen Monotheismus wegen Nietzsches abgründigstem Gedanken im eigenen eschatologischen Interesse zugrundelegt, dann ist er das antropomorphe Drittel der trinitarischen Funktionseinheit Gott, dem Vater gleich an Macht, an Wesen und an Ewigkeit, das inkarniert in einer kurzen Spanne des Erdenwirkens die Welt verändert hat und wieder zurückgekehrt ist an die Seite vom lieben Gott und der Bindekraft beider, dem Geist. Man kann das so und so sehen. Ich nehme Nietzsches abgründigsten Gedanken ernst und sehe es eben so. Die Ankunft von überm Sternenzelt in Stall und Krippe von Betlehem konnte nur in der Volkwerdung des Monotheismus geschehen, nicht in Völkern ohne Vorverständnis wegen eigener kosmologischer Mythologie. Darum ist das Alte Testament die Urkunde der Einhausung der zweiten Person der Trinität in der Schöpfung Mensch, mit ehrfürchtigem Interesse zu lesen, aber ohne aus dem singulärmonotheistischen Gottesbild existientielle Schlüsse zu ziehen. Die trinitarische Funktionseinheit Gott begegnet Abraham im Eichenhain von Mamre in Gestalt von drei Männern, die er ohne Plural mit “Herr” anredet und bewirtet. Und in Genesis 15,15 wird ihm im Tod ein Danach in Aussicht gestellt. Mehr an Weiterführendem ist am Alten Testament außer prophetischem partikularistischem Messianismus nicht dran. Daß sich der Messias dann als universalistisch erwies, kostete ihn das Leben. Er brachte nicht das Hier und Jetzt für wenige, er brachte das Danach für alle. Das verziehen ihm die Juden nicht, und so warten sie noch heute auf den wahren Messias. Man hatte seinen neuen Wein in die alten Schläuche gefüllt und weiterhin Geschichtsmetaphysik pro domo erwartet. Daß es sich dabei nur um das aus erzieherischen Gründen prophetisch gedeutete selbststeuernde Weltgetriebe handelte, war außerhalb der Reichweite von spätantikem Kenntnisstand. Gott hält sich aus dem Diesseits raus und prüft fürs Danach. Nur so ist universalistischer Monotheismus denkbar, die Pointe der Gesamtbibel nach 1. Korinther 15,28b. Darum wird sich sogar die gleichrangige zweite Person der Trinität der ersten unterordnen, “auf daß sei Gott Alles in Allen”. Das wird dann sein Solitärmonotheismus für alle drei Abrahamismen aus einem einzigen Senfkorn. Dann wird man nicht mehr von einem “Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs” sprechen können, sondern nur noch von einem “Gott Abrahams”. Das könnten die drei feindlichen Brüder eigentlich schon mal üben. Soviel zur Klarstellung des metaphysischen Who is Who.