Thema: Frontbegradigung

Sonntag, 17.6.2007. Gott offenbarte sich Frossard als die Evidenz an der Spitze der Ordnung im Universum. Die Beschaffenheit dieser Ordnung ist Gegenstand des Fortschritts an objektiver Erkenntnis der Naturwissenschaften, denen darum zu trauen ist auch wenn sie der Bibel widersprechen. Ich träumte heute den “Wahnsinn des neodarwinistischen Antikreationismus”, wohl als Folge des Freitagsbesuchs vom Seniorzeugen Jehovas; und hatte anschließend nagende Gewissensbisse wegen meines nichtbiblischen Schicksals- und Schöpfungsglaubens nach Auschwitz und dem Friedensschluß der Una Sancta mit der Urknall- und Evolutionstheorie. Inzwischen sage ich mir aber, daß dieser Glaube durchaus in Einklang mit der Frossard-Offenbarung ist, sonst hätte der Seher Anfang der siebziger Jahre eine kreationistische Wortwahl getroffen. Diesem Glauben zufolge sind Zufall- und Notwendigkeit  im Rahmen der göttlichen Naturgesetze der Motor der evolutionären Zukunftsdynamik, wobei nur an den Emergenzschwellen von Etwas aus Nichts, Leben aus unbelebter Materie und Bewußtsein aus belebter Materie eine göttliche “Anschubfinanzierung” zur gefälligen Selbststeuerung in gebundener Freiheit nötig war. Ansonsten verzichtet dieser Glaube auf einen Lückenbüßergott, der mit jeder Nobelpreisverleihung fragwürdiger wird. Eine Ordnung im Universum und an ihrer Spitze die Evidenz, welche Gott ist, das genügt mir. Daraus folgt allerdings, daß nur das exosomatische Bewußtsein, der selbstbewußte Geist, die unsterbliche Seele der Schöpfung Mensch ursprüngliches Schaffen Gottes und Maßanfertigung ist, während die Details der sonstigen Schöpfung, wie wohlgelungen auch immer, nur als bloß gottzugelassene Konfektionsware angesehen werden können. Hinter den Kulissen des Rosenzaubers in meinem Blickfeld höre ich den metaphysischen Tinnitus des Mahlens der Schlamm-, Schleim- und Knochenmühle der Evolution mit ihrem Fressen und Gefressenwerden; und von einer Apotheke Gottes kann bei den Kräutlein in meinem Garten keine Rede sein. Ehrwürdig sind allein die Naturgesetze, in deren Rahmen das zustande kam. Die exogene Religiosität des Sohnes liebäugelt mit dem Kreationismus und preist die Schönheit der Natur. Sein Auge schauet, was Gott gebauet,. Vielleicht steckte er, der mich heute zum Essen einlädt, hinter meinem Erwachenstraum. Wenn ich diesen ernstnehmen müßte, würde mein Glaube zusammenfallen wie ein Kartenhaus, denn bei mir reicht die Allgemeinbildung, anders als beim Sohn und beim Seniorzeugen Jehovas, gerade aus, um die Objektivität des Erkennntnisfortschritts der Naturwissenschaften und der von ihnen zusammenbuchstabierten Ordnung im Universum würdigen zu können. Meine endogene Religiosität ist flexibler als die dem “man” verfaßten Christseins verpflichtete und kann ohne Preisgabe der Substanz auf den Schultern Frossards innerbiblische Frontbegradigungen vornehmen. Ein Beispiel ist meine neodarwinistische Erbsündenthese auf der Basis des Gehirn-Geist-Dualismus, die einen Anspruch des Humanum auf Nachbesserung im Rahmen eines achten Schöpfungstages unter Transzendenzbedingungen nahelegt, was in C.G. Jungs Essai “Antwort auf Hiob” bereits vorgedacht ist. Zu meiner innerbiblischen Frontbegradigung ohne Substanzverlust gehört auch die Preisgabe des alttestamentarischen Zorngottesbildes, der Höllenewigkeit in der Drohbotschaft des Evangeliums, und des Offenbarungsgehalts der “Offenbarung” als der einflußreichsten religiösen Psychose der Geistesgeschichte. Warum sollte nicht auch das partiell inspirierte Menschenwort Gottes der Bibel “satanische Verse” enthalten? Der Teufel steckt im Detail überall, wo der Zufall waltet, warum nicht auch in dem des quantenphysikalisch zufallsgesteuerten Hirnstoffwechsels von Bibelautoren? Das alles sind Frontbegradigungen unter außerbiblischem Erkenntnisdruck, ohne Substanzverlust, “planmäßige Absetzbewegugen”, wie es einst im Mai bei der Wehrmacht so schön hieß. Exogener Religiosität, wie der des Sohnes, sind diese nicht möglich, aber wessen Religiosität ein reines psychisches Naturprodukt ist, wie in meinem Fall nach der Lebensmitte, in der religionsaufgeschlossenen Hälfte des jungschen Individuationsprozesses, der kann geschmeidig ausweichen, weil er keinem “man” verpflichtet ist. Die Frossardoffenbarung muß dabei allerdings Pate stehen, sonst geht es mit den planmäßigen Absetzbewegungen wie einst im Mai. “The more you know”, so wirbt die Zigarettenmarke Davidoff um intellektuelle Konsumenten. Das ist es eben, ich bin einer dieser Zielgruppe und weiß zu viel, um nicht zu rauchen, etwa, daß der Tod ein neuer Anfang zu Besserem ist. Daher meine Frontbegradigungen unter außerbiblischem Erkenntnisdruck. Wer diesen nicht verspürt, wird, als über schizophrene Flausen, den Kopf schütteln. Drübersteh´n, Davidoff rauchen !