Thema: Geisterbahn

Mittwoch, 23.5.2007.  An meine Heilswürdigkeit auf Anhieb glaube ich als herkunftsbraune Dutzendseele nicht, vielmehr an einen Aufenthalt in der jenseitigen Psychiatrie Gottes mit Krethi und Plethi, dann erst an meine Karsamstagserlösung nach Erreichen des Therapieziels. Der Gedanke an dieses Allerseelen auf den Schultern Frossards hat für mein Hier und Jetzt etwas Entlastendes. Ich muß ja den Selbsthaßschatten auf meinem Kontinent Psyche mithinübernehmen, der muß mir erst mit liebesgerechten psychatrischen Mitteln wegtherapiert werden, bevor die Flamme der Punkt-Omega-Kerze mich himmelswärts tragen kann. Fegefeuer nennt das die Tradition. Meine Höllenreform hat aus der Höllenewigkeit ein Langfristfegefeuer werden lassen, das nicht physisch quält, sondern durch ultimative seelische Not entschlackt und ewigkeitswürdig macht. Der Ablaßhandel, der die Reformation ausgelöst hat, war gar nicht so abwegig wie vermeint, und wenn der Papst, als Nachfolger Petri in apostolischer Sukzession, für die Teilnahme am Kirchentag einen Generalablaß spendet, dann ist das nicht so bizarr, wie ich zunächst glaubte. Der einzige Unterschied meines Konzepts zum eschatologischen Dualismus der Mehrheitschristenheit ist die letzliche Befristung des Aufenthalts am Ort der Gottferne, um der Kunde Frossards Rechnung zu tragen, daß auch die Verlorenen wie er “eins sein” werden, wenn jene milde Güte wiedergefunden sein wird. Im biblischen Urtext hat das Wörtlein “ewig” bezogen auf die Hölle, auch die Bedeutung “von langer Dauer”, so wie man umgangssprachlich sagt “das dauert ja ewig”. Wenn man diese Konnotation mitschwingen läßt, dann ist mein Langfristfegefeuer sogar biblisch gedeckt. Die abgestufte Verweildauer der armen Seelen wäre demnach die liebesgerechte Sühne, nach der die Opfer fragen. Liebesgerechtigkeit und nicht Karmagesetz des jüdischen “Gottes, des Gerechten” ist möglich durch das Loskaufopfer Jesu Christi am Kreuz, das den eschatologischen Faktor Gnade eingebracht hat, wo sonst das Karma der ultmativen Frevler das Gesetz von Ursache und Wirkung ad absurdum führen würde. Diese Einsicht ist die Frucht meiner Korrelation von Kreuz mit Hakenkreuz in der Überzeugung, daß die Hakenkreuzfrage nicht politisch, nur religiös gelöst werden könne. Als herkunftsbraune Dutzendseele bin ich für diese Aufgabe prädestiniert. Entscheidend wichtig ist dabei die katholische Auffassung, von der frühen Kirche in einem Kampf auf Leben und Tod mit der Gnosis errungen, daß der Macht des Bösen kein eigener ontologischer Rang zukommt, sondern daß sie nur die “privatio boni”, der Mangel an Gutem, und daher sub specie aeternitatis überflüssig wie ein Kropf ist. C.G. Jung, der Entdecker des Kontinents Psyche, hat neognostisch das Gegenteil behauptet und das brandgefährliche “Axiom der Maria” postuliert, demzufolge alle psychische Ganzheit nach der Quaternio, der Vierheit im Kreis strebt, weshalb die Trinität ergänzungsbedürftig sei, sei es durch mitgöttlichen Rang für die Mutter Jesu, sei es für das Böse, das “mitleben” wolle. Da der Teufel auf der Hand liegt, Maria aber nicht, war klar, wohin der neognostische Hase läuft. Ich habe mir am “Axiom der Maria” fast das Hirn verbrannt. Inzwischen habe ich mir klar gemacht, daß psychische Ganzheit auch die Erbsünde im kentaurischen Unterbau mitumfaßt und diese im biologischen Exitus mit ihm zurückbleibt, weshalb unter Transzendenzbedingungen die Ganzheit der unsterblichen Seele nach Trinität, nicht nach Quaternio verlangt. Wer das schon zu irdischen Lebzeiten mitkriegt, ist trinitarischer Monotheist, die psychisch Quaternitären sind die natürlichen Menschen. Für die hat C.G.Jung gültige Ergebnisse gezeitigt, vor allem dies, daß die Psyche ein   unterseeischer Kontinent ist, und keine Dampfmaschine, wie von Freud nahegelegt. Dieses Atlantis der Psyche geht im Tod mit auf die Reise des Trägers der Identität und sorgt im Langfristfegefeuer für Geisterbahn aller Art. Heulen und Zähneklappen und Bratspieß, wo der Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht verlischt, braucht es da nicht. Im Geländeeinschnitt Gehinnom bei Jerusalem, welcher der Tierkörperbeseitigung diente, schwelte ein immerwährender Brand, der stand beim biblischen Höllenfeuer Modell. Und der unsterbliche Wurm ist einer prophetischen Rachephantasie am Schluß des Buches Jesaja entlehnt. Kleine Ursachen, große Wirkungen. Die “Gehenna” hat sich zur göttlichen Komödie gemausert, wo es heißt “ihr, die ihr eintretet, laßt alle Hoffnung fahren”. Nein, das werde ich einmal nicht tun. Ich werde wissen, es ist nur Geisterbahn und meine Karsamstagserlösung ist bloß eine Frage der Zeit. Jetzt ist schon die zweite Kerze heruntergebrannt. Die dritte spare ich für Pfingsten. Einmal wird drüben die Kerzenflamme auch meine arme Seele himmelwärts tragen, raus aus der Geisterbahn.