Thema: Der Reim

Freitag, 4.5.2007. Die satanische Verblendung der Selbsthaßphase bestand heute nur aus einem Erwachenstraum, der den Dualismus verballhornte, um ihn ad absurdum zu führen. Bei der Morgenroutine vorm Spiegel hörte ich mich halblaut sagen “wir alle sind vom Teufel besessen”, was zum Kaninchen-Schlange-Effekt beitragen sollte. Gestern fiel mir auf, daß der Satan im Alten Testament explizit nur im erdichteten Buch Hiob vorkommt und daß die präzise Satanologie dem Neuen Testament vorbehalten ist. Zwar ist die Schlange von Eden in Genesis 3 und der König von Tyrus bei Hesekiel satanologisch auslegbar, aber eine gezielte Information zur Gefahrenabwehr ist das nicht, als ob sich die monistischen Propheten bei der Volkwerdung des Monotheismus gescheut hätten, die Souveränität Gottes durch ein konkurrierendes Prinzip zu relativieren. Die Deutung des Weltlaufs geschieht nur nach dem Lohn-Strafe-Schema. Die Quintessenz des Alten Testaments, der hundertneunzehnte Psalm, zeigt keine Spur von satanologischem Problembewußtsein. Da die Protestanten passionierte Alttestamentler sind, ist dieses bei ihnen schwach ausgeprägt. In “eine feste Burg, ist unser Gott” dichtete Luther, ein Wörtlein könne den Teufel fällen. Der metaphysische Dualismus der Katholiken sieht die Machtverhältnisse in den richtigen Proportionen, weil sie mit dem Alten Testament der partikularistischen Volkwerdung des Monotheismus nicht viel im Sinn haben. Es gibt keine guten katholischen Alttestamentler. So bezeichnete der letzte Papst beim Besuch der Synagoge von Rom die Juden als die älteren Brüder der Christen, was ein Tritt ins Fettnäpfchen war, weil der Stammvater Israels seinem älteren Bruder den Segen des blinden Vaters Isaak mit Lug und Trug abgeluchst hatte. Da mit der Messiastaufe Jesu am Jordan die Erwählung Israels erloschen ist und der Monotheismus universalistisch wurde, ist der gutgemeinte faux pas nicht zu beanstanden. So drohen die evangelikalen Flugblätter, die kürzlich im Postkasten waren, mit ewigem Zorn Gottes bei Nichtbekehrung zum Kreuz als Symbol des Lebens. Dahinter steckt Luthers Rechtfertigungslehre “durch Glaube, nicht durch Werke” und sein “sola fide, sola scriptura”. Das macht den Protestantismus zu einem religiösen Roten Kreuz, nicht zu einer alternativen Kirche auf Augenhöhe mit der Una Sancta. Als ich das nach einem halben Jahrhundert “hie gut lutherisch allewege” gemerkt habe, bin ich via Frossard katholisch geworden. Satanologie ist nur bei Unsterblichkeit der Seele sinnvoll, die der Protestantismus in Abrede stellt. Sonst ist “unser Gott” eine feste Burg und es kann den Teufel ein Wörtlein fällen. Doch der Casus ist komplizierter. Das merke ich erst, seit ich mir als katholischer Freidenker am Lehramt entlang den Kopf zerbreche. Da erscheinen die Satanologie des Neuen Testaments und die alttestamentliche Hiob-Dichtung als offenbart und blutig ernstzunehmen. Man muß das Diktum von Kardinal Lehmann “wo Heil, da auch Heilsverlust” auf den Schultern von Paulus, Origenes und Frossard nur ersetzen durch “wo Heil, da auch Heilsaufschub”, dann hat man ein stimmiges Gesamtbild der metaphysischen Tatsachen. Die zweite Kirchenspaltung beruht auf der stärkeren Gewichtung des Testaments der partikularistischen Volkwerdung des Monotheismus durch Luthers Bibelübersetzung. Seit der Universalisierung des Monotheismus durch Paulus tötet aber der Bibelbuchstabe und macht nur der Geist lebendig. Der hundertneunzehnte Psalm galt nur für das auserwählte Volk bis zum Erlöschen der Erwählung, als diese ihren Zweck erfüllt hatte. Darum ist es verfehlt, die beiden Testamente über den einen Kamm “Bibel” zu scheren. Hätte Augstein das bei seinem Bibelstudium beachtet, dann wäre die Abfassung seines atheistischen Buches “Jesus Menschensohn” unterblieben. Die irrenden Geschwister in Christo sind schlicht ab ovo falsch informiert und auch noch stolz darauf. Ich habe selbst gespielt, ich kann mitreden. Sogar der große Tillich ist auf dem falschen Dampfer, wenn er in einer seiner “religiösen Reden” kundtut “ es fällt schwer, zu sprechen, wenn die Propheten geredet haben”. Nichts da, die hatten einen anderen Job, die Einhausung des partikularistischen Monotheismus mit dem Ziel, die Menschwerdung der zweiten Person der Trinität vorzubereiten. Mit “Jesus Menschensohn” á la Augstein geht da gar nichts. Das ist falsch eingefädelt. Wer mit dem falschen Knopf anfängt, kommt mit dem Zuknöpfen nicht zurande, sagte Goethe. Leider, ohne sich an die eigene Nase zu  fassen, denn für ihn war das Martergerüst Kreuz ein Ärgernis und eine Torheit. Dabei hat Christi Auferstehung die Macht des Bösen gebrochen und den Ewigen Tod besiegt. Mach´dir selbst ´nen Reim drauf, lieber Leser. Die Gedanken sind frei? Von wegen!