Thema: Das Puzzle

Dienstag, 24.4.2007. Ich erfinde nichts, ich setze nur die Teile eines Puzzles zusammen. Der lange gestrige Teufels-Text ist dafür ein Beispiel. Beim Wiederlesen nach der Selbsthaßphase mit Nikotinspiegel auf Sollhöhe kam er mir plausibel vor. Die Denkfigur vom Teufel als nützlicher Idiot Gottes, der die ganze Welt in der Hand hält, auch die Sünde auf Satans Betreiben, hat etwas Entlastendes. Die sechste Vaterunserbitte vom Herrengebet hätte sonst keinen Sinn und wurde auch prompt von den Anglikanern eliminiert. “Dein Reich komme” übersetze ich mit “Dein Reich komme zustande”, damit der Diesseitseschatologie der Zeugen Jehovas vorgebeugt wird, die wegen der vielen teufelsanfälligen Details im zufallsgesteuerten Diesseits ein Unsinn ist. Dazu habe ich ein Recht, denn das Vaterunser beruht auf dem spätantiken Kenntnistand des Menschensohnes, der noch nichts von Zufall und Notwendigkeit und quantenphysikalisch gesteuertem Hirnstoffwechsel wusste. Das Zustandekommen des Reiches der “anderen Welt” von Glanz und Dichte, hat Frossards Sprachmagie eindrucksvoll bestätigt. Der Sinn der zweiten Vaterunserbitte ist nun nur noch, daß auch der Beter dorthin gelangen möge. Dem Subjekt des Zerstörungshungers im Universum läßt sich nämlich nicht in Gestalt einer alten Schlange der Kopf zertreten. Bei einem Teufelspakt ist der Versucher letztlich geprellt, weil Gott der Lehensherr seines Hauptquartiers im Jenseits und die Gottferne nur befristet ist. Wahrlich, Gott hält das ganze Sein in seiner Hand. Schopenhauers atheistischer Spott, daß durch Golgatha der Teufel geprellt sei, ist unwillentlich die reine Wahrheit. Sein abendländischer Buddhismus ist ebenfalls verblendetes Blendwerk, weil die Schlackenproblematik der Bibel, die auch “satanische Verse” enthält, nicht in den Blick kommt. Poppers Welt drei ist das Hauptaufmarschgebiet des Vaters der Lüge. Über die steuernde Kraft von Bedeutungen wirkt sie auf Welt zwei zurück und damit auch auf Welt eins, wie E = mc2 und die Atombombe gezeigt haben. Mein Firmpate sagte einmal zu mir “der Satan ist eine intelligente Bestie” und lastete ihm die Urheberschaft des Bosnienkrieges an. Mit solchen Petitessen gibt sich das Subjekt des Zerstörungshungers im Universum nicht ab. Seine Exzellenz, der gefallene Engel des Lichts, ist ein global player. Die Zeugen Jehovas, die bei jeder ihnen widersprechenden Gelegenheit den Joker Satan zücken, haben nicht ganz unrecht. Nur weisen bei jedem ausgestreckten Zeigefinger drei Finger auf einen selbst zurück, das übersehen sie. Sie attestieren sich Demut, weil sie Gottes Wort zwischen zwei Buchdeckeln vor aller Weltweisheit den Vorzug geben. Gottes Wille ist aber an die menschliche Kategorie Vernunft gebunden, deshalb ist Weltweisheit beim Zusammensetzen des Puzzles unverzichtbar. Daß im Diesseits nicht alles schiefgeht obwohl der Teufel in allen Details der Statistik steckt, liegt am Gotteswunder der Normalität, an Gottes erhaltendem Schaffen. Sein ursprüngliches Schaffen zeigt sich nur in der Beselbstung der menschlichen Zygote im Mutterleib und in der Tatsache, daß überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts ist. Das lenkende Schaffen delegiert er an die naturbelassene Schicksaldynamik aus Zufall, Notwendigkeit und Menschenwitz, denn würde er selbst steuern, dann könnte er nicht für transzendentistische Zwecke unvoreingenommen prüfen, dann wären die Prüfungsergebnisse tautologisch. Dennoch ist die dritte Vaterunserbitte nicht sinnlos. Gottes Wille manifestiert sich im stummen Werben für sein unerfülltes transzendetes Ziel in den hörenden Herzen der Vielen. Daß daraus eine gewaltige Machtballung werden kann, zeigt die Niederringung des Hakenkreuzes durch die Alliierten und die schließliche Befreiung von Auschwitz. Dieser Gottesbegriff nach Auschwitz tritt denknotwendig an die Stelle des Vorsehungsglaubens mit dem unerforschlichen Ratschluß. Gottes Allmacht besteht nicht im Handelnkönnen nach Belieben, sondern in der Fähigkeit, dem Nichtsein in all seinen Erscheinungsformen Widerstand zu leisten, also auch dem Stachel des Todes und dem Sieg der Hölle. Mein Puzzle hat durch die Hereinnahme des Teufels in mein Glaubensschifflein deutlich an Stimmigkeit gewonnen. Es handelte sich offentsichtlich um produktives Denken des seelischen Geistselbst, nicht um Bewußtsein aus Materie der Somapsyche. Empirie des Dualismus schon im Hier und Jetzt, nicht erst im Dort und Dann. Nach dem Paradigmenwechsel werden ihn die Spatzen ad maiorem Dei gloriam von den Dächern pfeifen.