Thema: Zeugen

Samstag, 10.3.2007. Kumpel Jehovas bibelgestützte Zeugen, der empirische Gotteszeuge Frossard und ich, der wortgläubige Wortmensch und Zeuge  Frossards, wir haben den Anspruch auf Glaubwürdigkeit gemeinsam. Mir jedenfalls glaubt keiner. Man zückt mir den Joker Satan, man schweigt mein Anliegen tot oder attestiert ihm Klapsmühlenreife. Darauf läßt sich schwer gotteszuversichtlicher Himmelsglaube ohne Höllenangst bauen. Wegen der biblischen Schlackenproblematik und der religiösen Betriebsaskese des Einzelnen vor Gott ist dieser Glaube nur auf Frossards Wort und das von ihm beglaubigte katholische Lehramt gestützt.Von da ergeben sich aus nichtreligiösen Erkenntnisquellen Denknotwendigkeiten in Dogmentreue, das Dogma von der Höllenewigkeit ausgenommen, das Frossard selbst zurückgewiesen hat. Der Sicht meines Auschwitz- und Urknall-Handicaps ist fast aller göttlicher Immanentismus Kumpel-Jehova-Theologie, von “Gott mit uns” auf den Koppelschlössern des Ersten Weltkriegs über das “in God we trust” auf den Dollars hin selbst zu Rupert Mayers Lieblingsgebet “weil Du es willst, drum hab ich Mut. Mein Herz in Deinen Händen ruht.” Diese Theologie ist nicht Frömmigkeit, sondern Hybris. Und Hybris ist das Ganze der Sünde. Meine demütige geistliche Froschperspektive des Zöllners hinterm Pharisäer im Tempel nach Lukas 18,9-14 überspringt weitgehend die Immanenz und reicht nur für transzendentistisches Gottvertrauen, also für gotteszuversichtlichen Himmelsglauben ohne Höllenangst, nicht fürs Wiener Lied “wenn´s der Herrgott net wui, is alles umsonst”. Nachdem ich das, was man sieht und das, was passiert, also Schöpfung und Schicksal, nur für gottzugelassen, nicht für gottgewollt halte, entfällt selbst die Stütze der Volksfrömmigkeit, die beinahe zur Gänze immanentistisch denkt, weil die kirchliche Höllenrede ihr die Transzendenz vergällt. Frossards objektive Gotteserfahrung gibt jedenfalls für göttlichen Immanentismus mit Gebetserhörungen nichts her. Sie sagt nur “fürchtet euch nicht, was immer geschieht, ich bin da”. Bei extremer Schicksalsungunst, die auch Frossard betroffen hat, heißt das “Im Tod seid ihr angekommen. Und weiteres wird sich finden”. Der Integralismus der Una Sancta predigt für diesen Fall mit dem Brustton der wissenden Überzeugung die Höllenewigkeit als stets offene Alternative zum Heil, die Zeugen lassen ihren Kumpel Jehova persönlich die gesetzlose Menschheit ausrotten, damit die Gerechten die dann paradiesische Erde in alle Ewigkeit unsterblich in Besitz nehmen können. Den empirischen Gotteszeugen Frossard erklären sie für satanisch verblendet, basta. Das alles gibt die Bibel auch her, weshalb ich sie angesichts der Schlackenproblematik weitestgehend zugeklappt lasse. Zwischen die Bibelhybris der Zeugen und das “Wort des lebendigen Gottes” ihrer papistischen Erzfeinde paßt allerdings kein Blatt Papier. Auch diese ignorieren in ihrem Weltkatechismus die biblische Schlackenproblematik vollkommen, mit der Folge, daß die Leser des Kleingedruckten, mich inbegriffen, die Kirchenbank meiden. Meine Kirchensteuern sollen aber um Frossards Katholizität willen dem großen Laden erhalten bleiben, nicht wenige zeitaufgeschlossene Kleriker machen dort gegen den dominierenden Integralismus auch einen guten Job und sind nicht gleichgeschaltet und betriebsblind. Man erkennt sie daran, daß ihre Verlautbarungen nicht den integralistischen “Stallgeruch der Sprache” haben, sondern bewußt nach Verständigkeit duften, wie etwa der Caritas-Bettelbrief des aus Indien stammenden Pfarrers meiner örtlichen Sprengelkirche. Ich hatte schon mit dem Gedanken gespielt, ihm mein Buchprojekt zur Begutachtung zuzuleiten, habe dann aber wegen eines falschen Zungenschlages im Weihnachtspfarrbrief davon Abstand genommen. Dort wurde die weltgeschichtliche Singularität Bethlehems als “Feier der Menschlichkeit Gottes” unter Wert gehandelt, denn Gott ist in der Bibel nicht selten allzumenschlich, mit den Augen der Psychoanalyse gelesen. Als Frossards Zeuge weiß ich, daß die erste Person der Trinität nicht anthropomorph und wesenhaft allmächtige milde Güte ist, die, wenn einmal wiedergefunden, auch die Verlorenen zum Heil begnadigen wird. Die alttestamentarische Zorngottrede ist auf diesem Hintergrund Makulatur. Der empirische Gotteszeuge hat die Bibel drastisch relativiert, Kumpel Jehovas Zeugen demonstrieren ex negativo, warum. Es müßte mit dem Teufel zugehen, wenn ich ihrem Werben nachgäbe.