Thema: Vergewisserung

Sonntag, 10.12.2006. Da “klar“, hatte der jüngste Text im abendlichen Faxfeedback “gut gefallen“. Die Zensurlektüre erwies ihn heute als gültig, weil er die Stationen im Wandel meines Denkens nachzeichnet, dahingehend, daß ich als Einzelner nirgends mehr dazugehöre, nichteinmal zur Christenheit mit ihrer Unheilsgeschichte, die in der Drohbotschaft wurzelt. Der himmlische Vater, der Kyrios und der Creator Spiritus sind größer als das sacrificium intellectus des Christseins es sich träumen läßt, sie gehören nicht nur einem Viertel der Menschheit, sondern dem beselbsteten Humanun insgesamt und dem logisch geordneten Universum dazu. S o muß trinitarischer Monotheismus gedacht werden, da ist es irreführend, zu sagen “ich bin Christ“. - Ich sage vielmehr “ich bin trinitarischer Monotheist im Sinne von Frossards objektiver Gotteserfahrung“. Das beinhaltet eine Relativierung der Drohbotschaft hin zu letztlicher Allversöhnung in ultimativem Seelenheil des gesamten Humanums, Mit dieser Ausnahme mache ich die katholische Dogmatik mit, da sie frossardbeglaubigt und also durch die metaphysischen Tatsachen gedeckt ist. Dogmenverträgliche säkulare Erkenntnisquellen beziehe ich dabei in mein Denken ein. Mit der zeit- und ortsgebundenen Bibel gehe ich äußerst sparsam um. Für wahrhaft weiterführend offenbart halte ich bisher bloß Lukas 23,43, Johannes1 und 1. Korinther15,28b. Vor allem das Alte Testament erscheint im Licht der modernen Bibelwissenschaft als nur eingeschränkte Offenbarung, vergleichbar dem Koran. - Wo die Bibel, wie im Fall der Drohbotschaft, Frossard widerspricht, gebe ich seinem Wort dem Vorzug. Lukas23,43 allerdings reimt sich auf den von der Zunft totgeschwiegenen Gehirn-Geist-Dualismus des Neurobiologen und Nobelpreisträgers John C.Eccles, der auch von der Kübler-Ross-Thanatologie gestützt wird, weshalb ich mir die parallellaufende katholische Lehre von der Unsterblichkeit der Seele zu eigen mache, die auch frossardbeglaubigt ist und woraus sich drastische Einschnitte in das apostolische Glaubensgekenntnis ergeben. Schon weil ich dessen Wortlaut nicht mittragen kann, d a r f ich nicht sagen “ich bin Christ“. Durch den Friedensschluß der Una Sancta mit der Urknall- und Evolutionstheorie ist klargeworden, daß das, was man sieht und das, was passiert, also Schöpfung und Schicksal, ohne die Hypothese Gott auskommt. - Damit verlagert sich der Glaubensschwerpunkt von der Seinsdimension der sterblichen Leiber, dem Diesseits, auf die Seinsdimension der unsterblichen Seelen, das Jenseits. Das führt mich de facto hienieden zum Schulterschluß mit dem Atheismus, der allerdings nicht dualistisch, sondern monistisch für wahr hält und ein Jenseits nur als leeren Grenzbegriff der Schlammflut des Okkultismus kennt. Gegen diesen Irrtum bin ich durch m e i n Fürwahrhalten von Frossards objektiver Gotteserfahrung gefeit. Aber sonst paßt in puncto immanentistische Vorsehung, Fügung und unerforschlicher Ratschluß kein Haar zwischen mich und einen in der Wolle gefärbten Atheisten. Dessen Hauptargument von der Unheilsgeschichte des Christentums unterlaufe ich damit, daß ich entgegne, diese sei die schwerste Last für das Lamm Gottes, welches der Welt Sünde trägt, weil sie in seinem Namen geschah; und daß ich deshalb nicht sagen k a n n “ich bin Christ“. Mein Glaubensschwerpunkt in der Seinsdimension der unsterblichen Seelen dem Jenseits, besagt, daß unser Lebensexamen hienieden von Gottvater unverwandt prüfend kritisch begleitet wird, damit nach dem biologischen Exitus unser Nachtodlebensweg zum letzten Ziel der Vorsehung nach 1.Korinther 15,28b in Liebesgerechtigkeit ausgestaltet werden kann, sei es beseligend, sei es verstörend. Wo der Atheist also aufhört, fange ich überhaupt erst an. Bis dahin lausche ich hörenden Herzens Gottvaters stummem Werben für sein unerfülltes himmlisches Ziel, und versuche, in der naturbelassenen Erdenschicksalsdynamik aus Menschenwitz, Zufall und Notwendigkeit möglichst theodizeevermeidend über die Runden zu kommen. Mein redlicher Bruder im Geiste, der Atheist, würde vielleicht von amor fati sprechen. Ich kann ihm Gott nicht bringen, weil ich ihn selbst nicht habe. Was ich nur habe, ist die unverbrüchliche Überzeugung, daß die Hypothese Gott durch die metaphysischen Tatsachen gedeckt ist. Wie im einzelnen, steht im Frossard-Büchlein. Mehr als dieser Hinweis ist bei mir an Proselytenmacherei nicht drin. Gottesbeweise sind Sache der Christen. Bei mir hat‘s im Lesen Klick gemacht. Das ist alles, was ich über Gott weiß. Der Rest ist vernunftgestützte geistliche Besonnenheit im Sinne der vorstehenden Vergewisserung‚ im Gegensatz zu Spiritualität also spekulative Metaphysik mit g e s u n d e n Wurzeln am zweiten Advent. Bald sind’s der Lichtlein vier, dann steht das Christkind vor der Tür. Bis dahin muß ich noch tüchtig grübeln. Das Mysterium Christi ist nämlich Sache des Herzens und nicht der Großhirnrinde. Da lass‘ ich mir das sacrificium intellectus ausnahmsweise gefallen.