Thema: Seelenheil

Mittwoch, 22.11.2006. Der Gehirn-Geist-Dualismus von Eccles, die Kübler-Ross-Thanatologie und der technische Spiritismus der Tonbandstimmenforschung von Jürgenson und Raudive stützen die frossardbeglaubigte Geheimlehre von der Unsterblichkeit der Seele nach Lukas 23,43 und widersprechen der protestantischen Ganztodlehre mit Auferstehung beim zweiten Kommen Christi nach Matthäus 25,31-46. Die, dem  vorigen Papst zufolge “offenbarte“, Drohbotschaft der synoptischen Evangelien, die nur beim pneumatischen Johannesevangelium mit dem spätesten Enstehungsdatum fehlt, halt ich nicht für verbum ipsissimum, sondern für ein nachösterliches Falsifikat, als die Kirche im übermächtigen jüdischen Umfeld noch Sekte war und mit Pfeifen im nächtlichen Walde Minderwertigkeitsängste niederhalten mußte. Die Gehenna, ein Geländeeinschnitt bei Jerusalem. genutzt zur Tierkörperbeseitigung, die schon bei Jesaia endzeitliche Rachephantasien bedient, stand bei der Höllenpredigt Pate. Durch die Unsterblichkeit der Seele und den Nachtodlebensweg zum letzten Ziel der Vorsehung nach 1.Korinther15,28b, demzufolge laut Lutherbibel am Ende wird sein Gott Alles in Allen, also zum universellen Seelenheil, wird das zweite Kommen Christi mit dem Pauschalweltgericht über die Lebenden und die auferstandenen Toten überflüssig. - Bemerkenswerterweise waren an Christkönig vor zehn Jahren in der Kirchenzeitung bei der Lesung von Matthäus 25,31-46 die Höllenpassagen weggelassen. Das Humanum stirbt nämlich sukzessive zum individuellen Gericht hin und bekommt dort die beseligenden oder verstörenden Modalitäten seines Nachtodlebensweges zur letztlichen Allversöhnung in göttlicher Liebesgerechtigkeit zugesprochen. Das “von dannen er kommen wird“ und “Auferstehung der Toten“ im ökumenisch verbindlichen apostolischen Glaubensbekenntnis ist also “April, April“; das individuelle Gericht ist zufolge dem katholischen Theologen Josef Imbach auch ohne Parusie theologisch gleichwertig. Himmelsglaube ja, Höllenangst nein. Die bibelfesten Zeugen Jehovas kennen als ultimative Sanktion keine Hölle. nur den endgültigen Ganztod, weil die Hölle sonst nirgends in der Schrift bezeugt ist und wie ein erratischer Block im biblischen Gelände daliegt. - Sollte ausgerechnet die zweite Person der Trinität, der Welt Heiland und Erlöser, über den endgültigen Ganztod hinaus das doppelte ewige Schicksal gebracht haben? Nein, er ist n i c h t mit Vorsicht zu genießen, nur der judenchristliche Lehrer ist das, der ihm fünfzig Jahre nach der Kreuzigung die Hauptdrohbotschaft in den Mund gelegt hat. It ain‘t necessarily so. Diese Einsicht kommt mir unmittelbar vor Advent gerade noch rechtzeitig. Am Christkönigsonntag war mein Glaube massiv angefochten, jetzt ist er wieder im Lot. Das “dies irae“ zweier Jahrtausende galt es niederzuringen. Ich bin vor fünfzehn Jahren an Christkönig gefirmt worden, wobei die Wahl des Datums anscheinend besagte “den machen wir katholisch”, weil ich als lutherischer nicht in der Furcht des Herrn erzogen bin. -Zwar heißt es im lutherischen Gesangbuch beim Lied “0 Ewigkeit, du Donnerwort“ über die Hölle “ja, wie mein Heiland selber spricht, ihr Wurm und Feuer sterben nicht“, (nach Jesaia und Markus, der von Jesaia abgeschrieben hat und von dem die anderen beiden Synoptiker abgeschrieben haben), aber in der Praxis ist das zweite Kommen Christi nur ein abstrakter Grenzbegriff und die meisten glauben am heutigen Buß- und Bettag eben linientreu an Hospiz-Sterbe-Kultur, an Vergänglichkeit und an den Ganztod, bei dem die Hölle noch keine Rolle spielt. Ich habe jedenfalls in meinen fünf Jahrzehnten Protestantismus keinen Gedanken an sie verschwendet. Da mein Katholizismus nicht weiter reicht als Frossards Mandat und dieser auch den Verlorenen letztlich den Weg zur Allversöhnung zuspricht, ist es mit meiner Furcht des Herrn immer noch nicht weit her, den vorigen Sonntag ausgenommen, als mir das Christkind Vampirzähne zeigte. - Die Kübler-Ross-Thanatalogie und der technische Spiritismus der Tonbandstimmenforschung stützen die Höllenangst jedenfalls nicht, nur den mehr oder minder verstörenden Nachtodlebensweg hin zu 1.Korinther 15,28b. Bei der Drohbotschaft hat die Kirche mit dem falschen Knopf angefangen und kommt jetzt mit dem Zuknöpfen nicht zurande. Ich reagiere darauf mit reinem Lohnsteuerkartenkatholizismus. Ich traue der Kirche bezüglich meines Seelenheils keine Hilfestellung zu. Mir ist meine Morgenhölle Gottferne genug und die anschließende schriftliche Empirie des Dualismus Absolution genug. Zweitausend Jahre “dies irae“ wollen erstmal verdrängt sein. Notfalls kann ich ja noch zu den Zeugen Jehovas überlaufen. Da gibt es kein Seelenheil, nur Ganztod für immer oder leibliches Wohl für immer. D a s  kann man aus der Bibel auch herauslesen. Nur reimt sich‘s nicht mit außerbiblischen Erkenntnisquellen. Dann bleibe ich doch lieber beim ‘rk“ auf der Lohnsteuerkarte. Lukas 23,43 und 1.Korinther 15,28b, Unsterblichkeit der Seele und universelles Seelenheil: Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?