Thema: Gottesbilder

Mittwoch, 6.9.2006. Im abendlichen Faxfeedback war der jüngste Output “ein sehr schöner Text“ genannt worden. Dementsprechend erwies ihn heute die Zensurlektüre als gültig, weil er klarstellt, daß der Zorngott “Jehova“ des Sintflut-Mythos mit dem Abba-Gott Jesu, wie ihm auch Frossard begegnete, nichts zu tun hat und eine Kreation der Priester- und Theologenverfasser der ersten fünf Bücher der Bibel ist. Für mein Auftauchen aus der heidnischen Morgendepression ist das von zentraler Bedeutung. Mein instinktives Gottesbild basiert auf dem Kleinkindergebet, das mir meine Mutter beigebracht hat “lieber Gott, mach‘ mich fromm, daß ich in den Himmel komm‘“. Darauf reimt sich der Abba-Gott Jesu und von Frossard, der Sintflut-Gott der Sippe Noachs aber nicht. Da trifft es sich gut, daß der Vorspann der Bibel-Einheitsübersetzung besagt, daß im Licht der modernen Bibelwissenschaft die fünf Bücher Mose, die Thora der Juden, nicht von Mose, sondern von späteren Priestern und Theologen mit abschließender Chefredaktion stammen und somit von nur eingeschränktem Offenbarungsgehalt sind und kritisch hinterfragt werden können. - Jesus, als wahrer Mensch und wahrer Gott auch irrtumsfähig, konnte das noch nicht wissen und nimmt affirmativ auf die Thora Bezug. Daraus schließen die Zeugen Jehovas, daß die moderne Bibelwissenschaft satanisch inspiriert irrt, denn Gottes Sohn sei irrtumslos gewesen und habe die Autorschaft des Mose bestätigt. Nun hat aber Jesus bezüglich seiner Parusie-Naherwartung geirrt und damit erwiesen, daß irren auch für die zweite Person der Trinität im Erdenkleid menschlich war. Man darf also etwa Genesis 3, das aus zwei Quellen stammt, nämlich dem Jahwisten und dem Elohisten, durchaus kritisch hinterfragen und die Historizität des Sündenfalls und der pseudodualistischen Urlüge Satans im Licht des Neodarwinismus in Abrede stellen, ohne die Autorität des Mose anzutasten. - Damit wird der Sintflut-Gott “Jehova” zum Popanz und der Abba- Gott Jesu zur Quintessenz der Bibel. Mit dieser ist der neue antikreationistische Schöpfungsglaube der Una Sancta seit ihrem Friedensschluß mit der Urknall- und Evolutionstheorie vereinbar, mit dem Gottesbild der fünf “Bücher Mose“ aber nicht. Dadurch werden die neutestamentlichen biblischen Mauerblümchen Lukas23,43, 1.Korinther15,28b und 2.Korinther12,1-7 im Sinne des religiösen Dualismus gegen den alttestamentarischen Monismus kostbar. Ein Bibelautor wie Kohelet oder Ezechiel konnte nur den Ganztod predigen, weil er gegen die pseudodualistische Urlüge Satans in Genesis 3 anschreiben mußte. Die aber ist nicht historisch, sondern nur ein Theologumenon aus nachrangiger Quelle. - Die Protestanten als passionierte Alttestamentler tragen den alten Teil der Einheitsübersetzung nicht mit. Die Relativierung der fünf “Bücher Mose“ ist also rein katholisches Gedankengut. Vielleicht gibt es deshalb keine namhaften katholischen Alttestamentler.  Über die Feststellung, daß im Brüderpaar Mose und Aaron das katholische Priesteramt vorgebildet sei, kommen sie nicht hinaus. Konsequenterweise lehrt die protestantische Orthodoxie bis hin zu Tillich den Ganztod mit geistleibseelischer Auferweckung zum Jüngsten Gericht, nicht, wie die Una Sancta, das Fortexistieren des Unzerstörbaren mit Beibehaltung der Identität unter Transzendenzbedingungen gemäß Lukas 23,43 ‚ und sukzessive individelle einstweilige Gerichtsbarkeit als Basis für Heiligsprechungen aufgrund gutbezeugter Wunder. - Mit dem Sintflut-Gott “Jehova” ist das nicht zu machen, wohl aber mit dem Abba-Gott von Jesus und Frossard. Ob die Auferweckung demnächst nach Harmageddon oder am Sanktnimmerleinstag zum Jüngsten Gericht passiert, spielt keine Rolle. In beiden Fällen unterbleibt die allmähliche Vervollständigung des dritten Himmels nach 1.Korinther15,28b, den man auch gleich ganz abschaffen könnte, hätte ihn Paulus nicht in 2.Korinther12,1-7 festgeschrieben. Allerdings heißt es im katholischen Weltkatechismus, wer den Sündenfall antaste, taste das Mysterium Christi an. Nun steht aber die Historizität von Eden in Abrede, daher die Frontbegradigung Tillichs, der sagt, der Sündenfall sei kein Ereignis in Raum und Zeit, sondern die transhistorische Qualität aller Ereignisse in Raum und Zeit. - Mit einer Ausnahme, bleibt hinzuzufügen, nämlich der Erbsündlosigkeit Mariens zufolgedem Lourdes-Dogma. Ohne diese wäre er seinsnotwendig und läge dem Schöpfer zur Last. So aber ist klargestellt, daß der Mensch und nicht Gott die gute Schöpfung verpfuscht hat, was der einzige Gehalt von Genesis 3 ist. Der gnadenbringende Erlösertod Christi tilgt prinzipiell diese Hypothek und macht den Weg frei für den paulinischen Pan-en-theismus nach 1.Korinther15,28b. Insofern bleibt trotz Relativierung die mosaische Offenbarungsautorität von Genesis 3 gewahrt. Beim Sintflut-Gott “Jehova“ ist Golgatha ein juristisches “Loskaufopfer“, um die Urlüge Satans zu widerlegen, beim Abba-Gott Jesu die Einbringung des eschatologischen Faktors Gnade, und zwar, da auch rückwirkend, die Mitte der Geschichte. Solcherart sind die Auswirkungen der konkurrierenden biblischen Gottesbilder. “Wer mit dem falschen Knopf anfängt, kommt mit dem Zuknöpfen nicht zurande“ (Goethe). Das Kleinkind hat recht: es ist der “liebe Gott“ Jesu nach Lukas, Johannes, erster und zweiter Korinther sowie Römer, nicht der juristische Zorngott der ersten fünf Bücher der Bibel, der auf nachrangigen Quellen fußt. Das verschafft mir Seelenruhe, meiner seligen Mutter sei Dank.