Thema: Denkfaulheit

Donnerstag, 27.7.2006. Im abendlichen Faxfeedback hatte der jüngste Text gut gefallen. Dementsprechend erwies ihn die Zensurlektüre heute als gültig, weil er neben der göttlichen auch noch die satanische Fernsteuerung des Erdenschicksals in Abrede stellt, damit für die göttliche Gestaltung des ewigen Schicksals unvoreingenommen geprüft werden könne. Das Tun des Teufels beschränkt sich auf die banale, nichtmetaphysische Versuchung zum Mißbrauch der endlichen menschlichen Willensfreiheit bei voller Zurechnungsfähigkeit, so wie Gottes Erdenwirken sich, außer im Wunder der Normalität, auf das stumme Werben für sein unerfülltes transzendentes Ziel in den hörenden Herzen der Vielen beschränkt.- Beides geschieht in Freiheit, ist also nicht Fernsteuerung. Geschichtsmetaphysik hat mit Hegel, Marx und dem Untergang des Kommunismus abgedankt. Damit ist der “Kaninchen vor der Schlange”-Effekt der Hypothese Satan bei der Genese psychischer Krankheit gebannt. Die Zufallssteuerung im Rahmen der Notwendigkeit der gottgewollten Naturgesetze und die steuernde Kraft von Bedeutungen im endlichen freien Menschenwillen reichen aus, um die janusköpfige naturbelassene Schicksalsdynamik des Weltgetriebes zu erklären. Das ihr unterworfene Humanum kann so von Gott unvoreinge- nommen für dessen Gestaltung seines ewigen Schicksals geprüft werden, bei der die göttliche Allmacht unter Transzendenzbedingungen voll zum Tragen kommt. Sie besteht nicht im Handelnkönnen nach Belieben, sondern in der Fähigkeit, dem Nichtsein in all seinen Erscheinungsformen Widerstand zu leisten, also auch dem Stachel des Todes und dem Sieg der Hölle. Meine in Lukas 23,43, 2. Korinther12,1-7, 1. Korinther15,28b und Johannes 1,1 biblisch verankerte elaborierte Transzendenzmystik denkt vom Ende her und kann sich deshalb über die göttliche Allmachtenthaltung hienieden klaglos hinwegsetzen. Die naturgesetzgeberische Allmacht Gottes und der Urknallerweis seiner Fähigkeit, aus dem ouk on, dem absoluten Nichts ohne alle Potentialität, ins Sein zu rufen, genügen ihr als Angeld für transzendentistisches Gottvertrauen. Ich verstehe Lukas 23,43 als eine offenbarte Bestätigung des Gehirn-Geist-Dualismus in der christlich geprägten Variante von Eccles mit der naturwissenschaftlichen Annahme des einzigartigen und unzerstörbaren Selbst des Humanum aus Übernatur.- Wegen der atheismusträchtigen göttlichen Allmachtenthaltung hienieden wird sie von der neurologischen Zunft totgeschwiegen. Für den Aufgeklärten sieht es nämlich ganz so aus, als sei die Hypothese Gott obsolet. Da kommt Frossards empirisch-metaphysiches Theophanie-Zeugnis “Gott existiert, ich bin ihm begegnet” als menschheitsge- schichtliche Singularität wie gerufen. Es falsifiziert die Falsifikation der Hypothese Gott. Intellektuelle Redlichkeit mus sie künftig wieder in Rechnung stellen, Antikreationismus hin oder her. Die vier biblischen Essentials sowie Eccles und Frossard begründen meine Transzendenzmy- stik- ein christliches Echo auf den jüdischen “Gottesbegriff nach Auschwitz” von Hans Jonas.- Dieser verzichtet auf die alttestamentarische partikularistische Geschichtsmetaphysik und gesteht Gott nur noch ein stummes Werben zu. Nachdem meine eschatologischen Essentials alle dem nichtjüdischen Teil der Bibel entstammen, bleiben sie ihm verwehrt, während ich sich nutzen kann, da ich christlich geprägt aufgewachsen bin. Seit meiner Konversion vor fünfzehn Jahren via Frossard brauche ich auch mit der Geschichtsmetaphysik des jüdischen Teils der Bibel nicht mehr so ehrfürchtig umzugehen wie meine Herkunftskonfession. Die Protestanten sind passionierte Alttestamentler und von Jonas’ Frontbegradigung viel stärker betroffen als die Una Sancta, die das Alte Testament immer schon mit spitzen Fingern umgeblättert hat, nachdem die Erwählung Israels mit der Messiastaufe Jesu am Jordan ihren Zweck erfüllt und ihr Ende gefunden haben soll. Was zu akzeptieren, da neutestamentlich, dem jüdischen Philosophen ebenfalls verwehrt ist.- Für ihn ist Auschwitz eine Attacke gegen Gottes Augapfel, und die Unterlassung seiner Putativ- notwehr ein Zeichen von Ohnmacht. Das setzt meine minimalistische Schicksalstheologie nach Auschwitz auf der Basis des antikreationistischen Schöpfungsglaubens mündigen Christseins an. Ich sage, daß für das einzigartige unzerstörbare Selbst aus Übernatur des Humanum nach aller individuellen Tage Abend das Eigentliche erst noch kommt, und daß es sich hienieden unmöglich reimen kann. Daraus folgt dann meine Transzendenz- mystik mit den Denknotwendigkeiten, die sich aus dem frossard- beglaubigten katholischen Lehramt ergeben. Das alles hinge atheis- musträchtig in der Luft, wäre nicht die Falsifikation der Hypothese Gott durch Frossard empirisch-metaphysisch falsifiziert. Wer mitdenkt, m u ß glauben. Unglaube ist Denkfaulheit. Protologisch, hierundjetzig und eschatologisch ist das Denkgebäude stimmig. Kein Grund, es zu beachselzucken. Am Ende wird es so viele von Gott gestaltete ewige Schicksale geben, wie es naturbelassene Erdenschicksale gegeben hat. O Ewigkeit, du Donnerwort! Und sie werden nach der individuellen Vollen- dung letztlich alle beseligend sein. Das ist offenbart in Korinther 15,28b. Offenbarung und Vernunft sind feindliche Schwestern, aber Offenbarung und Verstand harmonieren miteinander. Wer Verstand hat, wird das “verstehen”.