Thema: Gute Schöpfung

Donnerstag, 8.12.2005. Heute ist Mariae Empfängnis, das Fest der Erbsündlosigkeit der Gottesmutter, des perfekten Gefäßes für die Aufnahme der zweiten Person der Trinität zufolge dem frossardbeglaubigten Lourdes-Dogma. Es besagt, daß die Wurzeln Jesu Christi singulär nicht in Adams gottverfluchten Ackerboden, sondern in gute Schöpfung gepflanzt sind, und daß die lapsarische conditio huma- na nach Genesis 3 nicht seinsnotwendig, sondern kontingent ist. Sonst könnte ja die Macht des Bösen einen mitgöttlichen ontologischen Rang beanspruchen. Die Empfängnis Mariens zeigt, daß es im Prinzip auch ohne Erbsünde geht und daß die Schlange von Eden seinsstrukturell nachrangig ist. - Noch C.G. Jung mahnte gnostisch "das Böse will mitleben" und postulierte das "Axiom der Maria", wonach alle psychische Ganzheit zur Vierheit strebt, also der Trinität ein weiteres Element hinzufügen will. In Verbindung mit der gnostischen Mahnung kann dies leicht die Schlange von Eden und nicht Maria sein. Die frühe Kirche hat mit der Gnosis einen Kampf auf Leben und Tod geführt. Durch die Erscheinung der Gottesmutter vor den Hirtenkindern in Lourdes ist er ein für allemal entschieden. Das Böse ist nur "privatio boni”, Mangel an Gutem, ohne eigenständigen ontologischen Rang, wie die Gnosis lehrt und C.G. Jung nahelegt. - Ich habe, ihm folgend, mit der Vierheit psychischer Ganzheit lange herumexperimentiert und den drei Grundfarben des Regenbogens die Mischfarbe Grün zugeordnet, die mit dem Chlorophyll der Vegetation die Atembarkeit der Luft des Planeten garantiert. Mir schien dies ein Symbol für die Ubiquität der Macht des Bösen und ein Indiz für deren eigenständigen ontologischen Rang zu sein. Ich bin die Obsession erst losgeworden, als ich mir die Konsequenzen des Lourdes-Dogmas für das Verständnis von Genesis 3 vor Augen führte. Jetzt ist Grün für mich nur noch eine nachrangige Mischfarbe unter anderen und der hochverehrte C.G. Jung ein gnostischer Irrlehrer. - Der heutige kalendarische Anlaß gut zwei Wochen vor dem Fest der Ankunft des Herrn legt das weitverbreitete Mißverständnis nahe, es handle sich bei dem Dogma um die Voraussetzung der Jungfrauengeburt von Bethlehem. Die aber ist bei Lukas biblisch verankert, während das Lourdes-Dogma zeitgleich mit Darwins Attacke auf Genesis entstanden ist. Wenn Genesis 3 im Licht der Evolutionstheorie nur noch theologisch, nicht aber historisch wahr ist, sind der gnostischen Ontologisierung der lapsarischen conditio humana Tür und Tor geöffnet. Das Dogma nimmt also Darwin den Wind aus den Segeln, bis hin zu dem Friedensschluß der Una Sancta mit der Urknall- und Evolutionstheorie. - Jetzt ist der Monogenismus der Stammeltern und die Tradierung der Erbsünde im Wege der Keimbahn theologisch eine cura posterior. Wann in den Abgründen der Ver- gangenheit die Beselbstung des ersten Hominiden stattgefunden und diesen über seine Tierahnen hinausgehoben hat, kann dahingestellt bleiben. Seither ist die transzendenzunmittelbare Setzung der Einzigartigkeit eines jeden menschlichen Selbst eine göttliche Urzeugung. Und der Sündenfall ist kein Ereignis in Raum und Zeit, dessen Konsequenzen genetisch tradiert werden, sondern die transhistorische Qualität aller Ereignisse in Raum und Zeit mit einer statistischen Eintreffenswahrscheinlichkeit von nahezu hundert Prozent. Nahezu, denn sonst wäre er seinsnotwendig und die Gnosis hätte gewonnen. So aber ist das Böse nur "privatio boni" und kann eschatologisch in der Apokatástasis entsorgt werden. - Dadurch erst erstrahlt 1.Korinther15,28 in vollem Glanz. Wenn der paulinisch Pan-en-theismus ein Böses von mitgöttlichem Rang mit ins Boot holen müßte, wie es das frossardwidrige Dogma von der Ewigkeit der Hölle nahelegt, dann wäre er obsolet. So aber ist Mariae Empfängnis ein wichtiges Argument für die verketzerte Allversöhnungslehre des Origenes. Als die zweite Person der Trinität Mensch wurde, waren ihre irdischen Wurzeln in gute Schöpfung gepflanzt. Das sagt der heutige kalendarische Anlaß in der zweiten Adventswoche, während das Humanum sich mit Adam gottverfluchtem Ackerboden begnügen muß. Ich stelle es mir beseligend vor, wenn die wesenhaft milde Güte Gottes in ihrer transzendentistisch wirksamen Allmacht die lapsarische conditio humana tilgt und alle in guter Schöpfung wurzeln. Nur gute Schöpfung kann Heimat sein.