Thema: Ein Büchlein inmitten

Samstag, 11.8.2001. Bei den einen beißt mein schriftliches Tun auf Granit, bei den andereren rennt es offene Türen ein, das ist das Schicksal der blau- gelben Aufklärung. Nur fallen diese Türen alsbald ins Schloß, wenn die Ewigkeit der Hölle nach dem Kriterium Frossard im Einklang mit Paulus in Frage gestellt wird, und bröselt der Granit, wenn Welt durch Schicksal sich als prinzipiell kontingent erweist; das ist die Chance der blau-gelben Auf- klärung. Die Einzigartigkeit des Selbst, als des ontologisch strukturellen Gegenpols der Welt, ist nämlich nicht kontingent, sondern transzendenz- unmittelbar gesetzt, daraus folgt ihr ewiges Schicksal und zugleich die Unmöglichkeit eines doppelten ewigen Schicksals, der Ewigkeit von Hölle, der dämonischen Spaltung im Gottesbild. Mehr als das habe ich gar nicht zu sagen, Berufenere haben mehr gesagt. Man könnte hier die Abtreibung, das Klonen, die Gen- und Stammzellenforschung mit eschatologischen Prognosen belegen, aber das ist nach Ausschwitz eine cura posterior. Bereits damals haben wir gezeigt, daß die Ewigkeit der Hölle theologisch nur allzu naheliegend ist. Merkwürdigerweise hat gerade daraufhin die Una Sancta das eschatologische Büro geschlossen. Plötzlich war es nämlich fast jedermann, der für des Teufels Bratspieß in Frage kam, jedenfalls hierzu- lande. Freilich springt auch nicht der katholische Weltkatechismus des gegenwärtigen Papstes über den unfehlbaren Schatten des mittelalterlichen Höllendogmas, bleibt aber doch im einschlägigen Abschnitt ziemlich la- konisch, und weist zumindest die calvinistische Prädestinationslehre in die Schranken. Nach dem Frossard-Kriterium im Einklang mit dem pauli- nischen Pan-en-theismus jedoch ist auch dieses kleinlaute “ewig” nicht zu halten. Die purgatorischen Umwege zum letztlich universellen Heil mögen ihm allerdings sehr nahe kommen, was denen zu denken geben sollte, welche Welt für absolut und Selbst für kontingent halten. Frossard be- zeichnete sein Erlebnis der Evidenz Gottes als seine Geburt und sagt, daß der Augenblick seines Todes damit eins sein werde, “wie auch die Verlorenen eins sein werden, wenn einmal jene milde Güte wiedergefunden sein wird.” Das ist das Frossard- Kriterium der Eschatologie. An ihm wird die gesamte, auch biblizistische Sado-Maso-Falle der dämonischen Spal- tung des Gottesbildes zuschanden. Zuvor hatte Frossard die Lehre der Kirche als wahr bezeichnet, bis zum letzten Beistrich. Also hatte man ihm bei seiner religiösen Unterweisung anscheinend das “ewig” verschwiegen. In dubio pro Deo. Das an die Adresse der Tür-Fraktion. Die Granit-Fraktion dagegen muß warten, bis es ihr, übrigens nicht gottgewollt, sondern nur aleatorisch-providentiell, also zufallsbedingt, aber dem Endziel der Vorsehung nicht widersprechend, einmal den Weizen verhagelt, um nach der Adresse von Stoßgebeten zu fragen und vielleicht einmal Frossards unscheinbares Theophanie-Büchlein zur Hand zu nehmen.