Thema: Der Teufel

Sonntag, 8.5.2005. Nach Textschluß kam mir gestern meine Frau mit dem Anruf zuvor, damit nicht der am Vorabend überraschend unpäßliche Filius beim Ausschlafen in ihrer Wohnung gestört würde. Das jüngste Griffelspiel paraphrasiert den Vorgänger und wäre eigentlich auch internetrelevant. Aber das kann ich mir kaum noch leisten, wenn es beim Familienessen im Restaurant an meinem Geburtstag nicht "noudig" zugehen soll. Das gestrige Hauptmerkmal war die elterliche liebende Sorge um den angeknacksten Stammhalter. - Die Sagbarkeit der Denkfigur von der Mitursächlichkeit der Schlange von Eden am Abgrund Auschwitz und vom posthumen Erwachen der Täterseite unter Transzendenzbedingungen im Berufungs-Text ist eine Errungenschaft, die dessen virtuelle Veröffentlichung rechtfertigt. Deshalb habe ich gestern den Gürtel engergeschnallt und will es auch heute tun, um dem Filius das zweite Honorar für das abends noch zugefaxte Typoskript geben zu können. Ich glaube nicht, daß das Subjekt des Zerstörungshungers im Universum bei Naturkatastrophen die Hand im Spiel hat, vielmehr ist das der Welt blinder Gesamtwille der Eigengesetzlichkeit der von Gottes Hand urknallanfänglich freigegebenen sonstigen Schöpfung. Aber in der transzendenzunmittelbaren Schöpfung Mensch wirkt der Widersacher Gottes deutlich mit. Die Sagbarkeit meiner Denkfigur fußt auf dem langgehegten Verdacht, daß unterm Hakenkreuz fast eine ganze Nation auch vom Teufel besessen war und daß mit dem posthumen Erwachen unter Transzendenzbedingungen spätestens diese Besessenheit von ihr abfällt wie Schuppen von den Augen. - Mit political correctness am heutigen sechzigsten Jahrestag der Befreiung vom Hakenkreuz hat das natürlich nichts zu tun, aber die metaphysische Korrelation von Kreuz und Hakenkreuz erzwingt geradezu diesen Gedanken. Ein Kirchenmann hat einmal gesagt "dem Satan gefällt zweierlei: wenn wir ihn überbewerten und wenn wir seine Existenz in Abrede stellen". Der selbst unmenschliches Maß überschreitende ultimative Frevel im Abgrund Auschwitz durch musische und kinder- sowie tierliebe Familienväter einer abendländischen Kulturnation legt jedenfalls den Gedanken an Teufels Beitrag zu Gottes Werk der Schöpfung Mensch sehr nahe. Da aber Christi Auferstehung die Macht des Bösen gebrochen und den ewigen Tod besagt hat, besteht Hoffnung, daß sich dies in allerletzter Linie eschatologisch nicht verhängnisvoll auswirkt und daß das Wörtchen 'ewig" im Höllendogma des katholischen Weltkatechismus obsolet ist. Mehr als das will ich gar nicht sagen, der ich als Mitläuferkind pro domo spreche. - Ich habe mich durch den polnischen Ex-Marxisten Leszek Kolakowski davon überzeugen lassen, wie aseptisch-steril ein Denken ist, das die Existenz Satans in Abrede stellt. Er wirft sogar die Frage auf, ob der Teufel erlöst werden könne. Ich glaube, daß dafür nichteinmal bei 1.Korinther 15,28 ein Platz ist und daß er sich selbst erlösen muß wie eine erlöschende heruntergebrannte Kerzenflamme, deren Brennstoffzufuhr erschöpft ist. Jesus hat ihn den Vater der Lüge genannt, welche Qualifikation auch im offenbarten Mythos von Eden deutlich wird. Daraus folgt, daß man am besten seinen Fallstricken entgeht, wenn man immer schön bei der Wahrheit bleibt. - Schon mit einer kleinen ungebeichteten Lüge reicht man ihm den kleinen Finger und er nimmt die ganze Hand. Deshalb ist das auf der apostolischen Sukzession bis hin zur Priesterweihe fußende Bußsakrament heilsnotwendig, weil keiner stets makellos bei der Wahrheit bleiben kann. So erstreckte sich meine letzte Beichte in Sachen Feigheit vor dem Arzt wegen Bierkonsum und Aufschneiderei bezüglich früherer sportlicher Leistungen nur auf das Gebot vom Sinai, nicht falsch' Zeugnis zu reden. Sonst habe ich seither nichts geistlich Justiziables mehr auf dem Kerbholz, weshalb mir das Altarsakrament verwehrt ist, das die Beichte voraussetzt. Keine felix culpa also. Wegen ständiger Selbsterforschung im bipolaren Morgen-Grauen liegt mir nichteinmal Hybris zur Last. Das mit dem Teufel ist so eine Sache. Papst Paul der Sechste hat sogar gesagt, der sei wie Rauch durch die Ritzen des Kirchengebäudes eingedrungen. Daran halte ich mich, wenn es in der Una Sancta wieder einmal menschelt, und bleibe lohnsteuerkartenmäßig bei der Stange auf Distanz. Hitler glaubte, ein Werkzeug Gottes zu sein und wurde vom Teufel geritten. Das macht nachdenklich auch in Hinblick auf die Unheilsgeschichte des Christentums, Heiliger Geist hin oder her. Auch da gilt nämlich: Gottes Werk und Teufels Beitrag.